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Bitcoin: Deutliche Korrektur – Kurze Pause oder Grund zur Sorge?

Bitcoin in den roten Zahlen
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Bitcoin hat die neue Handelswoche mit einer heftigen Korrektur begonnen. Nachdem der Kurs im Laufe der letzten Woche noch daran gearbeitet hatte, die Marke von 45.000 Dollar als maßgeblichen nächsten Chartwiderstand anzukratzen, ist der Kurs am Montag bis in die Nähe der charttechnischen Unterstützung bei 40.000 Dollar zurückgekommen. Der anschließende Kaufdruck, der den Kurs bis zurück über die Marke von 42.000 Dollar gehoben hat, zeigt wie stark die Nachfrage nach Bitcoin in der derzeitigen Marktphase bleibt.

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Strukturell bleibt das Chartbild äußerst bullisch, da der Bitcoin-Kurs sich nach seinem Einbruch im Sommer wieder über wichtige Trend-Indikatoren wie den 200-Tage- und den 50-Tage-Trend (schwarz/gelb), sowie das Bullmarket-Supportband (in blau, bestehend aus einfachem 20-Wochen- und exp. 21-Wochen-Trend) zurück gekämpft hat und auch den eingebüßten Aufwärtstrend seit dem Bärenmarkttief bei 15.500 Dollar zurückerobern konnte. Die runde Marke von 40.000 Dollar funktioniert derzeit als maßgebliche charttechnische Unterstützung.

Mögliche Gründe für die Korrektur

Bitcoin hat nun acht Wochen infolge Kursgewinne verzeichnet und ist seit dem letzten Zwischentief Mitte September bei 25.000 Dollar um über 75% bis zu seinem Jahreshoch bei knapp 45.000 Dollar gestiegen. Nach einer solchen Rally ist eine Korrektur nichts Ungewöhnliches, selbst in der Phase eines Bullenmarktes. Auch in vergangenen bullischen Marktphasen waren Korrekturen von 20-30% für Bitcoin keine Seltenheit. Auch in diesem Jahr hat es im März und im August bereits Korrekturen von über 20% gegeben, nachdem der Kurs in den Wochen zuvor deutlich geklettert ist.

Der Markt preist die zunehmende Wahrscheinlichkeit für die Zulassung eines Bitcoin-Spot-ETFs im Januar vermehrt ein. Die Hoffnung ist, dass dadurch eine neue Welle an institutionellem Kapital in die Krypto-Märkte ausgelöst werden könnte. Rückenwind bekommt Bitcoin derzeit auch vom Makro-Bild, da sich das Pendel wieder vermehrt in Richtung einer lockeren Geldpolitik wendet. Zentralbanken weltweit beginnen bereits wieder damit, die Zinsen zu senken und die Märkte mit Stimuli zu versorgen, um einen wirtschaftlichen Abschwung zu verhindern. Besonders China sendet derzeit Signale, dass der Geldhahn dort wieder vermehrt aufgedreht wird, um die schwächelnde Wirtschaft aufzufangen.

Dreh- und Angelpunkt bleibt jedoch vor allem die Geldpolitik in den USA als größter Einflussfaktor auf die globalen Finanzmärkte. Die enorme Rally an den Aktienmärkten ergibt sich derzeit aus einem Cocktail an Faktoren, die aus Sicht vieler Marktteilnehmer unweigerlich zu baldigen Zinssenkungen führen wird: Die Inflation geht weiterhin zurück und auch die US-Wirtschaft hat in den letzten Wochen Anzeichen einer leichten Abkühlung gezeigt. Das gibt der US-Notenbank größeren Spielraum, von einer straffen zu einer lockeren Geldpolitik zu wechseln und damit die Liquidität an den Finanzmärkten wieder zu erhöhen. Ein Wunschszenario für Risk-On-Assets, die einen großen Teil dieser Liquidität in sich hineinziehen.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass die Märkte etwas zu euphorisch reagieren und die Erwartungen enttäuscht werden könnten. Die derzeitige Korrektur von Bitcoin könnte auch als ein Anzeichen einer Realisation dafür gesehen werden, da Bitcoin mit am äußersten Spektrum der Risk-On-Skala steht und als Frühindikator für die Bewertung der Liquiditätsbedingungen am Markt gesehen werden kann.

Zwei marktentscheidende Termine in dieser Woche

Bereits in der Mitte dieser Woche werden wir neue wichtige Datenpunkte erhalten, die die Marktrichtung bestimmen werden. Am Dienstag werden die US-Verbrauchpreisinflationsdaten für November bekannt gegeben. Die Markterwartung ist ein minimaler Rückgang von 3,2% auf 3,1% im Jahresvergleich. Am Mittwoch folgen die Inflationsdaten für die Produzentenpreise. Auch hier wird mit einem Rückgang gerechnet, von 1,3% auf 1,1%.

Sollte die Inflation weiter fallen, kann das die Hoffnung der Märkte auf ein Ende der straffen Geldpolitik befeuern, da der Plan der Federal Reserve scheinbar weiterhin aufgeht, zurück in ein erträgliches Inflationsumfeld zu gelangen, ohne der Wirtschaft zu viel Schaden zuzufügen.

Noch wichtiger wird jedoch der Fed-Zinsentscheid am Mittwochabend mitteleuropäischer Zeit sein. Der Markt rechnet einheitlich (98%) damit, dass die Fed die Zinsen bei einer Rate von 5,5% belassen werden. Viel entscheidender wird die anschließende Pressekonferenz, denn die Worte des Vorsitzenden Jerome Powell werden dem Markt wichtige Aufschlüsse über die weitere Strategie der Fed geben, die im Zweifel direkt eingepreist werden.

Powell könnte durch seine Worte die Euphorie des Marktes bezüglich Zinssenkungen bereits im ersten Quartal des nächsten Jahres deutlich dämpfen. Die größte Sorge der Fed bleibt weiterhin, dass die Gefahr durch die Inflation noch nicht gebannt ist und diese wieder anziehen könnte. Der weiterhin starke US-Arbeitsmarkt liefert dafür Futter. Die November-Job-Daten zeigen, dass mit knapp 200.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen erneut mehr hinzugekommen sind als erwartet (180.000) und die Arbeitslosenrate erneut zurückgegangen ist (von 3,9% auf 3,7%). Ein brummender US-Arbeitsmarkt liefert das Potenzial für eine steigende Inflation.

Hinzu kommt, dass die US-Finanzmärkte einen wichtigen Teil der US-Wirtschaft darstellen. Nicht nur aufgrund der dort agierenden Unternehmen, sondern auch weil viele US-Konsumenten an den Märkten investiert sind und ein Teil ihres Vermögens (und ihrer Vermögenszuwächse) aus den Märkten generiert wird. Eine zu optimistische Pressekonferenz könnte die Euphorie der Märkte anfeuern und damit potenziell auch indirekt die Wirtschaftsleistung des Finanzsektors antreiben – und die Inflation letzten Endes wieder befeuern.

Auswirkungen auf den Bitcoin-Preis

Sollte nun anhand der in dieser Woche anstehenden Daten klar werden, dass die finanziellen Bedingungen in den USA länger straffer bleiben als vom Markt erhofft, dann könnte das die Korrektur des Bitcoin-Kurses ausweiten und eine Korrektur an den Aktienmärkten einleiten, die in den letzten Wochen ebenfalls sehr heiß gelaufen sind.

Der Bitcoin-Preis wird unmittelbar stark von den ETF-Hoffnungen angetrieben, doch hier wurde in den letzten Wochen bereits viel eingepreist. Die Liquidität bleibt im übergeordneten Bild der maßgebliche Faktor für die Bitcoin-Preisentwicklung.

Selbst wenn sich jetzt jedoch eine deutliche Korrektur ausspielen sollte, ändert das nichts an der langfristigen Perspektive für Bitcoin und die restlichen Krypto-Märkte, denn perspektivisch stehen die Zeichen sehr wohl für eine massive Ausweitung der Liquidität. Die Fed pumpt bereits seit Monaten Liquidität in den Bankensektor, um dort einen Kollaps zu verhindern, der zu systemischen Schäden führen könnte. Die US-Regierung praktiziert in diesem Jahr eine exzessive Schuldenaufnahme, die jede Skala sprengt. Auch das führt über Umwege zu einer Netto-Liquiditätsausweitung an den Märkten. Hinzu kommen andere relevante Wirtschaftszonen wie China, Japan oder auch Europa, bei denen ebenfalls alles auf eine Rückkehr der lockeren Geldpolitik hindeutet. Für Bitcoin als digital limitiertes Asset ist dies das denkbar bullischste Umfeld.

Denken Sie langfristig!

Einen detaillierten Blick auf die globale Liquidität, warum die USA bereits wieder für eine Netto-Liquiditätszunahme sorgen und warum China den Geldhahn bald wieder richtig aufdrehen wird – und wie das die Preiszyklen von Bitcoin beeinflussen könnte – erhalten Sie in der neusten Video-Ausgabe von decentralist.

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