Meinung

ARD rückt Bitcoin ins Zentrum der globalen Klimakatastrophe

Bildquelle: jlujuro, pixabay.com

Ein Kommentar von Robert Steinadler.

Die ARD strahlte diese Woche eine Reportage aus, die es in sich hatte. Schnell hagelte es von allen Seiten Kritik. Community, Medienmacher und Influencer übten den Schulterschluss, was angesichts der überwiegend falschen Tatsachenbehauptungen sehr leichtfiel. Ein Highlight der Sendung waren die „Chefentwickler“ von Bitcoin, womit der Eindruck suggeriert wurde, dass diese „Clique“ praktisch nur auf den Knopf drücken muss, um etwas im gesamten Netzwerk zu ändern.

Doch was sollten sie ändern?

Der Bericht fordert Verantwortung ein. Bitcoin soll sich den Konsequenzen stellen, die das Mining für die Umwelt hat. Das Problem der Redakteure ist schlicht der fehlende Adressat, denn an den Bitcoin lässt sich schlecht appellieren. Das man dann mit den vermeintlichen Chefentwicklern einen Ersatz herbeischafft, ist wichtig, aber am Ende nicht so wichtig, als dass man die Bilder der Personen unverpixelt zeigen möchte.

Wir brauchen eine ethische Debatte

Das eigentliche Problem wurde am Ende nicht diskutiert. Es geht nicht darum, dass die Reportage schlampig recherchiert oder inhaltlich von Unschärfe geprägt war. Bitcoin verbraucht sehr viel Strom. Da helfen auch Wasserkraftwerke in China nicht viel, denn es geht nicht darum, woher der Strom kommt, sondern das der gesamte ökologische Fußabdruck ein möglichst flaches Profil haben sollte.

Diese Forderung ist kaum noch verhandelbar. Wäre die Corona-Pandemie nicht aufgekreuzt, dann wären wir in Deutschland wahrscheinlich damit beschäftigt, weiter gegen den Diesel vorzugehen. Für Gesundheit und Umwelt.

Ausnahmslos jede Technologie hat eine Auswirkung auf die Umwelt. Im Augenblick üben wir uns als Gesellschaft darin, alles effizienter gestalten zu wollen. Wo CO2 gespart werden kann, da soll es auch geschehen. Dabei müssen wir uns an einem bestimmten Punkt aber auch Fragen, welchen Errungenschaften wir überhaupt einen „Impact“ auf die Umwelt zugestehen wollen.

Bitcoin möchte Geld von politischen Interessen entkoppeln und stellt die Freiheit eines jeden Individuums in den Mittelpunkt seines Designs.

Preisfrage: Was ist uns das als Gesellschaft wert?

Diese Aspekte kann man nicht genug betonen. Denn an anderer Stelle debattieren wir weder über Sinn und Unsinn von Energieverbrauch oder Auswirkungen auf die Umwelt. Wir haben also eine ethische Forderung, die im Raum schwebt, ohne dass jemand einen sinnvollen Maßstab definiert, mit dem wir die Angelegenheit insgesamt bewerten können.

Dieser Maßstab muss dringend von der Bitcoin-Community geliefert und kommuniziert werden. Von der ARD können wir das kaum erwarten.

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