Der Schweizer Krypto-Pionier Bitcoin Suisse expandiert nach Deutschland und will hier vermögende Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Investoren gewinnen. Möglich macht das eine MiCAR-Lizenz aus Liechtenstein, mit der sich das Unternehmen regulierten Zugang zum gesamten europäischen Wirtschaftsraum sichert. Für den Anbieter aus Zug ist es der vorläufige Höhepunkt eines langen Wegs, der über einen gescheiterten Bankenplan nun klar nach Europa führt.
Bitcoin Suisse expandiert nach Deutschland. Dies geht aus einer Pressemitteilung hervor, die das Unternehmen aus dem Kanton Zug am 14. Juli 2026 veröffentlichte und die der Redaktion des Bitcoin-Kuriers vorliegt. Grundlage ist die MiCAR-Lizenz der Tochtergesellschaft Bitcoin Suisse (Europe) AG, die von der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht FMA erteilt wurde. Über das sogenannte Passporting kann die Gruppe ihre regulierten Krypto-Dienstleistungen grundsätzlich im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum anbieten, Deutschland ist der erste Markt, den sie damit aktiv angeht. Bitcoin Suisse verweist dabei auf die Erfahrung eines seit 2013 tätigen Anbieters, dessen Geschäftsmodell mehrere Marktzyklen überstanden hat.
Was Bitcoin Suisse deutschen Kunden bietet
In Deutschland tritt Bitcoin Suisse mit dem Anspruch an, eine führende Adresse für vermögende Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Investoren zu werden. Das Leistungsspektrum umfasst den Handel mit Kryptowährungen, die Verwahrung und das Staking. Zwei Merkmale sollen den Anbieter dabei vom Wettbewerb abheben, nämlich feste Ansprechpartner für die Kundschaft und eine vollständig selbst entwickelte Infrastruktur.
Damit zielt Bitcoin Suisse bewusst auf jene Kunden, die weder mit Retail-Apps arbeiten wollen noch sich vom Krypto-Angebot klassischer Banken ausreichend bedient sehen. Neu ist der deutsche Markt für die Zuger allerdings nicht. Der Schweizer Arm der Gruppe betreut nach eigenen Angaben seit der Gründung zahlreiche deutsche Kunden, bislang jedoch ohne eigene europäische Zulassung.
„MiCAR markiert einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung des europäischen Kryptomarktes“, sagt Andrej Majcen, Mitgründer und Group CEO von Bitcoin Suisse. Für Kunden bedeute das mehr regulatorische Klarheit und die Möglichkeit, Krypto-Investments europaweit unter einheitlichen Rahmenbedingungen umzusetzen. Ziel sei es, diesen Zugang so einfach wie möglich und zugleich verlässlich zu gestalten.
Vom Zuger Hinterzimmer zum ältesten Krypto-Broker der Schweiz
Gegründet wurde Bitcoin Suisse 2013 in Zug vom Dänen Niklas Nikolajsen, gemeinsam mit den Mitgründern Fabian Hediger und Andrej Majcen. Was als kleine Wechselstube für Bitcoin begann, gilt heute als ältester und einer der größten Krypto-Finanzdienstleister der Schweiz. Nikolajsen hatte Bitcoin 2010 für sich entdeckt und war 2011 aus Dänemark in die Schweiz gezogen, um ein Krypto-Brokerage aufzubauen. Mit dem Unternehmen prägte er das später als Crypto Valley bekannte Cluster rund um Zug maßgeblich mit. 2014 stellte Bitcoin Suisse den ersten Bitcoin-Geldautomaten der Schweiz auf.
Nikolajsen führte die Firma bis Ende 2017 als CEO und blieb bis Ende 2021 Verwaltungsratspräsident, ehe er sich aus den Organen zurückzog. Heute beschäftigt die Gruppe mehr als 200 Mitarbeitende und ist neben der Schweiz und Liechtenstein auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf Bermuda präsent. Nach eigenen Angaben verwahrt sie Krypto-Werte von über sechs Milliarden Franken und zählt im Staking zu den fünf größten Anbietern weltweit.
Der gescheiterte Traum von der eigenen Bank
Der Weg nach Europa beginnt mit einem Umweg. Lange wollte Bitcoin Suisse eine eigene Schweizer Bank werden. Im Juli 2019 beantragte das Unternehmen bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) eine Banklizenz. Die Behörde lehnte das Gesuch 2021 ab und begründete dies mit Hinweisen auf Mängel bei den Massnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche. Mit dem früheren Grossbanker Dirk Klee, zuvor bei der UBS und bei Barclays, holte sich Bitcoin Suisse anschließend einen Manager, der das Haus auf einen neuen Anlauf vorbereiten sollte.
Dann kam der Kryptowinter. 2022 rutschte Bitcoin Suisse tief in die roten Zahlen und baute rund ein Drittel der Belegschaft ab. Im Januar 2024 zog der Verwaltungsrat die Konsequenz und legte die Banklizenz-Pläne vorerst auf Eis. Klee trat zurück, Mitgründer Andrej Majcen übernahm zum 1. Februar 2024 als Group CEO. Die offizielle Begründung lautete, ein Lizenzverfahren hätte die Firma über Monate in einem Code Freeze blockiert, während der von den US-Bitcoin-ETF befeuerte Bullenmarkt gerade neue Chancen eröffnete. Zentrale Dienste wie das Staking lassen sich zudem auch ohne Banklizenz anbieten. Statt einer Schweizer Bank rückte damit eine andere Option in den Fokus, eine Lizenz aus dem EWR.
Warum der Weg über Liechtenstein nach Europa führt
Für den Sprung nach Europa nutzt Bitcoin Suisse seine bereits 2018 gegründete und seit 2019 operative Tochter Bitcoin Suisse (Europe) AG mit Sitz in Vaduz. Anders als die Schweiz gehört Liechtenstein zum Europäischen Wirtschaftsraum. Das Fürstentum hatte mit dem Token- und VT-Dienstleister-Gesetz früh einen eigenen Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte geschaffen und die europäische Krypto-Verordnung MiCAR vorzeitig umgesetzt. Auf dieser Basis erhielt die europäische Einheit von der FMA die Lizenz als Crypto Asset Service Provider.
MiCAR schafft erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto-Dienstleister in der gesamten EU. Wer in einem Mitgliedstaat zugelassen ist, kann seine Dienste über das Passporting grundsätzlich im ganzen EWR anbieten. Die Verordnung gilt seit dem 30. Dezember 2024 vollständig, die Übergangsfrist für Anbieter ohne Zulassung endete am 1. Juli 2026. Seither verschiebt sich das Gewicht der Branche spürbar hin zu lizenzierten Akteuren, und genau in diesem Umfeld formalisiert Bitcoin Suisse seinen Markteintritt in Deutschland.
Prominente Namen im Verwaltungsrat
Das Europageschäft verantwortet Roman Przibylla als CEO der Bitcoin Suisse (Europe) AG. Er bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung im institutionellen Vertrieb mit, unter anderem von Deutsche Bank, Commerzbank, HSBC, Vontobel und Maverix Securities, und war vor dieser Rolle als Chief Client Officer der Gruppe tätig.
„Kunden erwarten heute nicht nur Zugang zu leistungsfähiger Technologie, sondern auch Orientierung und persönliche Betreuung“, sagt Przibylla. Gerade in einem reifer werdenden Markt und bei steigenden Ansprüchen werde diese Kombination für Kunden in Deutschland immer wichtiger.
Im Verwaltungsrat der Europa-Gesellschaft sitzen mit Adrian Hasler, Marco Menotti und Philipp Rösler drei bekannte Namen. Hasler war von 2013 bis 2021 Regierungschef Liechtensteins. Menotti, langjähriger UBS-Managing-Director und früheres Geschäftsleitungsmitglied der Börsenbetreiberin SIX, ist heute Verwaltungsratspräsident der Bitcoin Suisse Group. Für die deutsche Leserschaft am interessantesten dürfte Philipp Rösler sein, der frühere FDP-Vorsitzende, Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler unter Angela Merkel. Rösler, der anschließend das Weltwirtschaftsforum mitleitete und heute in der Schweiz lebt, gehört dem Verwaltungsrat von Bitcoin Suisse bereits seit 2023 an und gilt in der Branche als krypto-affin.
Was der Schritt für den Markt bedeutet
Mit der Europa-Expansion ist Bitcoin Suisse nicht allein. Seit MiCAR gilt, liefern sich zahlreiche Anbieter ein Rennen um Zulassungen, häufig über kleinere EWR-Standorte wie Liechtenstein, Luxemburg oder Irland. Für institutionelle Kunden wird die Lizenz damit zum Wettbewerbsfaktor, denn Anbieter ohne MiCAR-Pfad dürften es künftig schwerer haben, reguliertes Geschäft in Europa zu gewinnen. In Deutschland trifft Bitcoin Suisse zugleich auf etablierte Wettbewerber, darunter spezialisierte Krypto-Banken wie Sygnum oder die frühere Seba Bank, die heute als Amina Group firmiert, sowie klassische Banken, die ihre Krypto-Angebote ausbauen.
Für Anleger bedeutet der Markteintritt vor allem mehr Auswahl unter regulierten Anbietern und einen weiteren Schritt in Richtung Institutionalisierung der Anlageklasse. Ob Bitcoin Suisse mit seinem Modell aus persönlicher Betreuung und eigener Infrastruktur im umkämpften deutschen Markt punkten kann, hängt am Ende weniger an prominenten Namen als an Preisen, Produktbreite und Verlässlichkeit im Alltag.
Welche weiteren EWR-Märkte nach Deutschland folgen, hat Bitcoin Suisse offen gelassen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die Gruppe ihr Betreuungsmodell auf ein größeres Kundenvolumen skaliert und ob sie den Rückenwind des regulierten europäischen Marktes in nachhaltiges Wachstum übersetzt. Die Richtung ist nach eigener Darstellung klar, denn Bitcoin Suisse versteht Europa nicht als Endpunkt, sondern als größte von mehreren Wachstumschancen neben der Schweiz, den Emiraten und Bermuda. Diese Einschätzung bleibt vorerst eine Absichtserklärung, deren Tragfähigkeit sich erst im Wettbewerb zeigen muss.

