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MARA verkauft 15.133 Bitcoin für 1,1 Milliarden Dollar – strategische Entschuldung oder Strategiewechsel?

MARA
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MARA Holdings hat in den vergangenen drei Wochen still und heimlich einen der größten Bitcoin-Verkäufe in der Geschichte börsennotierter Unternehmen abgewickelt. Zwischen dem 4. und 25. März 2026 veräußerte der Miner 15.133 BTC für rund 1,1 Milliarden US-Dollar MARA – und nutzte die Erlöse, um die eigene Bilanz grundlegend zu sanieren.

Das Unternehmen kaufte damit eigene Wandelanleihen mit einem Abschlag von rund 9 Prozent auf den Nennwert zurück und erzielte dadurch einen Buchgewinn von etwa 88 Millionen Dollar. Insgesamt wurden rund 1,0 Milliarden Dollar an Anleihen zurückgekauft. Damit sinkt MAARs gesamte Wandelschuldenlast um rund 30 Prozent – von 3,3 Milliarden auf 2,3 Milliarden Dollar. Gleichzeitig verringert sich das Verwässerungsrisiko für Aktionäre, das durch die Wandelbarkeit dieser Anleihen in Aktien entstanden war.

Der Verkauf erfolgte zu einem Durchschnittspreis von etwa 65.300 Dollar pro Bitcoin – bei einer geschätzten Kostenbasis von rund 80.900 Dollar pro Coin. Die Transaktion dürfte also einen realisierten Verlust auf Coin-Ebene erzielt haben. Das klingt zunächst schlecht, greift aber als alleinige Bewertung zu kurz.

Ist der Verkauf gut oder schlecht?

Für MARA als Unternehmen ist der Deal unter dem Strich clevere Bilanzpolitik, keine Kapitulation. Schulden zu einem Discount von 9 Prozent zurückzukaufen und dabei 88 Millionen Dollar zu realisieren ist die Art von Bilanzmanagement, die Wall Street belohnt. Der Markt sah das ähnlich: Die MARA-Aktie stieg im vorbörslichen Handel um bis zu 10 Prozent.

Dennoch gibt es Schattenseiten. Der Schritt reflektiert MARAs aktualisierte Treasury-Politik für 2026, die nun ausdrücklich den Verkauf von Bitcoin aus der Bilanz erlaubt – nicht mehr nur von neu geschürften Coins. Das ist eine klare Abkehr vom ursprünglichen „HODL“-Versprechen, das MARA noch im Juli 2024 feierlich verkündet hatte. Die Mining-Ausbeute war 2025 infolge des Halvings um 7 Prozent auf 8.799 BTC gesunken, während Difficulty und Energiekosten stiegen – die Produktionskosten pro Bitcoin liegen teils bei 70.000 bis 87.000 Dollar. Wer zu diesen Kosten schürft und Bitcoin zu 65.000 Dollar verkauft, hat operationell ein strukturelles Problem.

MAARAs Bitcoin-Bestand liegt nach dem Verkauf bei 38.689 BTC und damit ist man immer noch eine der größten Unternehmens-Treasuries der Welt.

Was bedeutet das für andere Bitcoin-Treasuries?

Hier wird es interessant – und etwas beunruhigend für das Gesamtbild. Institutionelle Bitcoin-Käufe haben sich faktisch auf ein einziges Unternehmen konzentriert. Strategy kaufte in den vergangenen Wochen rund 45.000 BTC, während alle anderen Treasury-Unternehmen zusammen nur etwa 1.000 BTC erwarben. Strategy hält damit inzwischen rund 76 Prozent aller Bitcoin in Unternehmens-Treasuries – ein Konzentrationsrisiko in einem Trade, der einst als Verbreiterung institutioneller Bitcoin-Adoption verkauft wurde.

Der Rückgang des Bitcoin-Preises von über 120.000 Dollar im November 2025 auf heute unter 70.000 Dollar hat viele Treasury-Käufer tief ins Minus gedrückt und das breitere Unternehmens-Treasury-Modell ins Stocken gebracht.

Der Kontrast zu Strategy könnte jedoch kaum größer sein. Strategy verfügt über mehr als 762.000 BTC, schürft keinen Bitcoin selbst und hat daher keinen operativen Cashburn durch Energie und Hardware. Das Modell basiert auf aggressiver, fremdfinanzierter Akkumulation – mit dem erklärten Ziel von einer Million Bitcoin bis Ende 2026.

MARA hingegen ist ein Miner unter Druck: Andere Miner wie Bitdeer haben ihre gesamten BTC-Bestände veräußert, um einen KI-Pivot zu finanzieren. Core Scientific verkaufte Anfang März 1.900 BTC für denselben Zweck. MARA selbst diversifiziert seinen Umsatz durch eine Partnerschaft mit Starwood Capital Group zum Aufbau von Rechenzentrumskapazitäten und hat eine 64-Prozent-Beteiligung an Exaion erworben. Bitcoin-Mining allein rechnet sich unter diesen Marktbedingungen schlicht nicht mehr.

Unterm Strich ist der Verkauf also kein Vertrauensverlust in Bitcoin als Asset. Er ist ein Symptom des strukturellen Drucks auf Miner im Post-Halving-Zyklus. Als Finanzierungsinstrument war die Transaktion geschickt. Als Signal für die Bitcoin-Treasury-Bewegung ist sie ambivalent: Sie zeigt, dass das Modell für Unternehmen mit hohem operativen Aufwand unter Druck gerät und dass die Akkumulations-Story längst nicht mehr für jeden Mitspieler gilt.

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