Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran belastet die globalen Finanzmärkte enorm. Große amerikanische, asiatische und europäische Aktienindizes haben in den letzten Handelstagen massiv verloren und auch die neue Woche beginnt mit deutlichen Verlusten. Grund ist der stark gestiegene Ölpreis, der Sorgen über eine negative wirtschaftliche Entwicklung an den Märkten weckt.
Die Ölpreise sind erstmals seit fast vier Jahren deutlich über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Sowohl Brent als auch WTI haben den größten Wochenanstieg ihrer Geschichte erlebt. Zu Wochenstart hat der Kurs mit knapp 120 Dollar die Hochs aus der Krise im Jahr 2022 angekratzt, als der ausgebrochene Ukraine-Krieg für geopolitische Unsicherheit gesorgt und einen direkten Einfluss auf die globalen Öl-Märkte genommen hat. Die Ankündigung der G7 Staaten, eine koordinierte Freigabe der jeweiligen strategischen Ölreserven zu geben, hat heute jedoch für eine gewisse Stabilisierung der Öl-Märkte gesorgt.
Die Gründe für den starken Preisanstieg
Aufgrund des eskalierenden Konflikts im nahen Osten ist die Straße von Hormus komplett geschlossen worden. Ein großer Teil des globalen Ölhandels läuft durch diese Meerenge. Wenn Öltanker nicht mehr passieren können, führt das zu Versorgungsengpässen mit Rohöl, Lagerproblemen und infolge zu erheblichen Preissprüngen. Besonders betroffen von der Schließung dieser Handelsroute sind asiatische und europäische Volkswirtschaften.
Zudem haben große Ölproduzenten in der Region aus verschiedenen Gründen Produktionskürzungen vorgenommen. Ein Drohnenangriff hat Saudi Aramco dazu gezwungen, eine seiner großen Raffinerien zu schließen. Weitere Förderkürzungen erfolgen aufgrund begrenzter Lagerkapazitäten, der Angst vor weiteren Angriffen oder Beschädigungen der Industrieanlagen.
Dauer des Konflikts wird entscheidend
Kurzfristige Ölpreis-Schocks können die globalen Märkte abfedern, wie Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zeigen. Sollte sich dieser Konflikt jedoch über die nächsten Monate erstrecken und die Ölmärkte längerfristig beeinflussen, können dadurch ernsthafte wirtschaftliche Schäden entstehen.
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die steigenden Ölpreise als „kleinen Preis für die Zerstörung der iranischen Nuklearbedrohung“. Die US-Regierung hat signalisiert, dass sie die volle Kontrolle über die Situation habe, die USA „darüber entscheiden“, wann dieser Konflikt endet und US-Energieminister Chris Wright äußerte die Erwartung, dass sich der Tankerverkehr „innerhalb einiger Wochen“ wieder normalisieren sollte.
Welche Auswirkungen können im schlimmsten Fall folgen?
Ein dauerhaft steigender Ölpreis erhöht die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs einer Rezession in vielen Volkswirtschaften signifikant. Steigende Öl-Preise setzen an der Grundstruktur der Wirtschaft an und ziehen sich bis zu den Endverbraucherpreisen durch: Benzin- und Transportkosten steigen, die Industrie- und Energiekosten erhöhen sich ebenfalls. Diese Kostensteigerungen werden schrittweise weitergegeben und erhöhen die Herstellungspreise, die Preise von Zwischenprodukten und am Ende auch die Preise von Konsumwaren und Dienstleistungen. Zudem steigen die Mobilitätskosten auch für Privatverbraucher.
Auch Technologieunternehmen spüren den Effekt, da KI-Rechenzentren sehr viel Energie verbrauchen. Die allgemein steigenden Kosten drücken dadurch auch auf die Unternehmensgewinne, was wiederum die Finanzmärkte belastet.
Die US-Wirtschaft ist besonders sensibel für Marktschwankungen dieser Art, da sie sehr konsumorientiert ist. Die US-Konjunktur hängt stark vom Konsum wohlhabender Haushalte ab. Diese Gruppe besitzt Aktien und andere Vermögenswerte, deren Kursgewinne das Konsumverhalten gefördert haben. Wenn steigende Ölpreise einen Aktienrückgang auslösen, könnte das diese Haushalte dazu bringen, ihre Ausgaben zu reduzieren.
Jedoch sind auch niedrigere Einkommen stark von steigenden Ölpreisen betroffen. In den USA sind die meisten Menschen in Sachen Mobilität besonders stark von privaten Kraftfahrzeugen abhängig. Ein starker Anstieg der Benzinpreise erhöht die notwendigen Ausgaben dieser Haushalte deutlich. Folgen davon könnten sich widerspiegeln in weniger Konsum, sowie steigenden Zahlungsausfällen bei Kreditkarten und Autokrediten, was wiederum zu Liquiditätsproblemen an den Finanzmärkten führen kann.
Geldpolitik: Das Dilemma der Federal Reserve wird größer
Die Federal Reserve bewegt sich bereits seit der Corona-Krise am Rande einer Sackgasse: Die Inflation bleibt anhaltend hoch – deutlich über dem gewünschten Zielbereich von etwa 2 Prozent. Gleichzeitig entwickelt sich die US-Wirtschaft robust, kühlt jedoch langsam aber stetig ab. Die jüngsten Zahlen haben eine weitere Eintrübung gezeigt. Es kam zu einem weiteren Rückgang von Arbeitsplätzen und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,4 Prozent. Das war bereits der dritte Rückgang der Beschäftigung in fünf Monaten. Hinzu kommt, dass frühere Zahlen regelmäßig nach unten revidiert werden müssen.
Ein anhaltender Ölpreis-Schock könnte die Fed nun vollends in eine Sackgasse führen, da die Inflation dadurch wieder stärker steigen könnte, während die Wirtschaft schwächelt. Eine Phase der Stagflation könnte die Folge sein, die die Fed handlungsunfähig macht: Zinssenkungen könnten den Arbeitsmarkt stützen, aber die Inflation weiter anheizen. Höhere Zinsen könnten die Inflation bekämpfen, aber das Wachstum bremsen.
Neben der rein konjunkturellen Entwicklung bleiben jedoch noch andere Baustellen, die die Lage zusätzlich verkomplizieren. Die US-Regierung befindet sich weiterhin in einer Schuldenkrise, da sie deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen hat. Die starken Zinserhöhungen seit 2022 haben zu einer Beschleunigung dieser Schuldenspirale geführt, da die Kosten zur Refinanzierung immer schneller steigen. Eine Rezession würde die Einnahmen weiter drücken, während die Ausgaben in Form von Konjunktur- und Sozialhilfeprogrammen enorm steigen dürften. Das könnte die Schuldenkrise der USA auf die nächste Eskalationsstufe heben und ein Eingreifen der Federal Reserve in Form neuer Liquiditätszuschüsse in die Märkte erforderlich machen. Gleichzeitig könnte eine Rezession zu Zahlungsausfällen am privaten Kreditmarkt führen und den Bankensektor zusätzlich belasten, was im Zweifel weitere Liquidität als Antwort erfordern dürfte.
Wie steht Bitcoin im aktuellen Marktumfeld da?
Am meisten leiden aktuell die Aktienmärkte unter der Situation, da der Markt versucht, die Schwere der wirtschaftlichen Schäden zu evaluieren, die durch den Ölpreis-Schock noch entstehen können, wenn dieser Konflikt länger anhalten sollte. Am meisten betroffen sind zunächst Unternehmen und Verbraucher.
Aufgrund der aktuell unklaren Lage, die vor allem mit der erwarteten Dauer des Konfliktes zusammenhängt, zeigt sich noch kein klarer Trend, außer ein Abverkauf im Aktienbereich und eine Flucht in Cash, was in einem gestiegenen Dollar-Kurs-Index sichtbar wird. Gold hält sich nahe seines Rekordhochs und auch Bitcoin zeigt bisher wenig Reaktionen auf die veränderte geopolitische Lage.

Strukturell bleibt Bitcoin in einem Bärenmarkt, was eine weitere Abwärtstendenz wahrscheinlicher macht als ein Ausbruch nach oben. Sollten sich in den nächsten Wochen verstärkt Rezessionserwartungen an den Märkten widerspiegeln, könnte das den Abwärtsdruck auch auf Bitcoin verstärken, da der Bedarf nach Liquidität bei vielen Marktteilnehmern größer werden dürfte und Bitcoin in solchen Fällen als liquides Asset oft abverkauft wird.
Für die Aktienmärkte ist ein Szenario einer ausgewachsenen Korrekturbewegung alles andere als unwahrscheinlich, sollte sich die Erwartung an eine länger andauernde Krise festigen. Trumps Amtseinführung und das kurz darauffolgende Zollchaos hat den US-Märkten einen Tribut von über 20 Prozent abverlangt. Eine echte Ölpreis-Krise hat deutlich größeres Schadenspotenzial für die globale Wirtschaft und könnte daher entsprechend einen größeren Tribut fordern.
In einem solchen Fall ist es wahrscheinlich, dass Bitcoin mit nach unten gezogen wird und die charttechnische Unterstützung in Form des Aufwärtstrends, der seit dem Bärenmarktboden aus dem Jahr 2018 besteht, brechen wird. Die nächste signifikante Unterstützung tritt erst im Bereich der 40.000 Dollar Marke auf.
Mittelfristig würde eine weitere Verschärfung der Ölpreis-Situation die USA jedoch in Handlungszwang bringen, um eine Rezession, eine Eskalation der Schuldenkrise oder eine Liquiditätskrise im Finanzsystem abzufedern. Eine entsprechende geldpolitische Antwort in Form einer Freisetzung von künstlicher Liquidität könnte Vermögenswerte wie Bitcoin und Aktien anschließend kurstechnisch beflügeln, ähnlich wie es im Jahr 2020 der Fall gewesen ist.
Sollte sich der Iran-Konflikt in den nächsten Tagen oder Wochen entschärfen und keine bleibenden Schäden hinterlassen, rückt das allgemeine Bärenmarkt-Setup für Bitcoin wieder in den Fokus. Anhand historischer Zyklus-Dynamiken stellen die nächsten Monate eine weitere Seitwärts- oder Abwärtskonsolidierung in Aussicht und ein Ausbruch zurück in einen übergeordneten Aufwärtstrend ist frühestens im vierten Quartal 2026 wahrscheinlich. Fundamental bleibt die geldpolitische Richtung der USA und daraus hervorgehend die Liquiditätsentwicklung an den Märkten der entscheidende Faktor für die langfristige Kursentwicklung.
Denken Sie langfristig!
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