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Monero bei 697 US-Dollar: Darum überholt XMR jetzt Zcash

Monero Münze in Nahaufnahme
Bildquelle: © macondos - stock.adobe.com

Monero (XMR) gilt seit Jahren als die konsequenteste Lösung für finanzielle Privatsphäre auf der Blockchain: Transaktionen sind standardmäßig verschleiert, Beträge und Gegenparteien bleiben verborgen – ein Alleinstellungsmerkmal, das XMR zum führenden Privacy Coin gemacht hat. Genau diese Default‑Privatsphäre sorgt jedoch weltweit für regulatorische Gegenwinde. 2022 strich Huobi den Handel mit Monero und weiteren Privacy Coins von der Plattform. 2024 folgte Binance mit einer globalen Delistung von XMR. Die zwischenzeitlichen EU‑Ländereinschränkungen aus 2023 in Frankreich, Italien, Polen und Spanien waren damit endgültig überholt und der Rückzug aus dem regulierten Exchange‑Umfeld faktisch besiegelt.

Auch in Dubai ist die regulatorische Linie klar: Die Virtual Assets Regulatory Authority untersagte bereits 2023 den Handel mit anonymitätsorientierten Kryptowährungen. Am 12. Januar 2026 zog die Dubai Financial Services Authority im Finanzdistrikt DIFC nach und verbot Privacy‑Tokens wie Monero und Zcash vollständig. Damit sind Privacy Coins in sämtlichen relevanten Jurisdiktionen des Emirats de facto unerwünscht.

Das Marktbild steht in einem bemerkenswerten Kontrast zur Regulierung: XMR kletterte Mitte Januar 2026 an neue Höchststände. Am 12. Januar erreichte XMR ein frisches Allzeithoch um 596 US‑Dollar, und heute stieg Monero intraday auf 697 US‑Dollar und kratzte damit an der 700‑Dollar‑Marke. Parallel sprang die Marktkapitalisierung über zehn Milliarden und in der Spitze über zwölf Milliarden US‑Dollar. Das spürbar erhöhte Momentum verläuft in einer Phase, in der das Segment der Privacy Tokens den Gesamtmarkt outperformt.

Trotz der Delistings hat sich Monero im Handel behauptet, wenngleich die Liquidität heute stärker auf wenige verbleibende Anbieter konzentriert ist. Nach dem Binance‑Rückzug gelten insbesondere KuCoin, Bitfinex und internationale Ableger von Kraken als wichtige Anlaufstellen. Insgesamt bleibt das Orderbuch jedoch dünner als zu Zeiten breiterer Listing‑Abdeckung. Das ist für Anleger ein zweischneidiges Schwert: Diese Konzentration kann kurzfristig Ausschläge verstärken, hat XMR aber nicht daran gehindert, in die Preisfindung zu gehen.

Europa verschärft die Transparenz – und Privacy wird zur Gegen‑Erzählung

In der EU ist zum 1. Januar 2026 die Richtlinie DAC8 in Kraft getreten. Sie verpflichtet Krypto‑Dienstleister, Daten zu meldepflichtigen Transaktionen ihrer EU‑Kunden zu erfassen und zwischen den Mitgliedstaaten automatisch auszutauschen; die erste Meldung für das Steuerjahr 2026 ist bis spätestens 30. September 2027 fällig. DAC8 ergänzt MiCA und schafft eine explizite Steuer‑Transparenzschiene für digitale Vermögenswerte. Für Privatanleger bedeutet das: On‑Chain‑Aktivität auf öffentlichen Ledgern wird administrativ sichtbarer – ein Umfeld, in dem „Privatsphäre‑by‑Default“ als Gegenposition an Attraktivität gewinnt.

Zcash‑Eklat beschleunigt die Rotation zu Monero

Die Rallye von XMR fällt in eine Phase, in der Zcash unter einem Governance‑Schock leidet. Denn im Januar trat das komplette Entwicklerteam der Electric Coin Company nach einem öffentlichen Streit mit dem Bootstrap‑Board geschlossen zurück. ZEC reagierte mit zweistelligen Kursverlusten und Kapital wanderte aus ZEC in Richtung XMR ab. Die Zuspitzung bei Zcash hat damit eine bereits laufende Narrative verstärkt: Wenn Privatsphäre gefragt ist, setzen Anleger auf das robuste, community‑getragene Protokoll mit Default‑Schutz – und das ist Monero.

Transparenz, Analyse und Stablecoins: Warum Nutzer gläsern werden – und wo die Grenzen sind

Blockchain‑Analyse auf transparenten Netzwerken hat sich in den letzten Jahren professionalisiert und skaliert. Für regulierte Anbieter ist es ein Muss, Bewegungen auf öffentlichen Chains zu überwachen und gegen Sanktionslisten, Travel‑Rule‑Vorgaben und Steuer‑Reporting zu mappen. Genau hier entsteht ein Spannungsfeld: Je stärker sich Zahlungsströme – einschließlich Stablecoin‑Transaktionen – in regulierte Kanäle verlagern, desto höher wird die Sichtbarkeit für Behörden und Dienstleister. Die Gegenreaktion eines Teils der Nutzer ist der Schritt in Privacy‑Systeme, die solche Analysen technisch unterbinden. Dubai illustriert diese Dynamik exemplarisch, indem es Stablecoins zugleich enger fasst und Privacy‑Tokens verbannt.

Ist das nur Endphasen‑Momentum – oder strukturelle Nachfrage?

Historisch gewinnen Privacy Coins oft am Ende bullischer Phasen an Dynamik. Dass Monero ausgerechnet jetzt neue Hochs setzt, passt ins Muster – und dennoch sprechen mehrere Faktoren für strukturelle Nachfrage: der regulatorische Shift zur systematischen Datenerfassung, die technische Reife von Monero mit Privacy‑by‑Default und die Abkehr großer Handelsplätze, die XMR paradoxerweise in die Rolle eines Nischen‑„Hard Asset“ für Privatsphäre drängt. Gleichwohl bleibt das Marktumfeld riskant: Dünnere Orderbücher erhöhen die Volatilität; politische Spannungen und weitere Restriktionen können jederzeit die Liquidität verschieben. Anleger sollten dieses Doppelprofil – starke Narrative, aber herausfordernde Marktmechanik – einkalkulieren.

Monero überholt Zcash nicht nur wegen einer momentanen Preisspitze, sondern weil 2026 der Konflikt zwischen umfassender Überwachung auf öffentlichen Blockchains und dem Bedürfnis nach finanzieller Vertraulichkeit kulminiert. Mit DAC8 in Europa, einem strengen Kurs in Dubai und der Delisting‑Welle bei zentralen Börsen ist das Umfeld für Privacy Coins enger denn je – und genau deshalb wird XMR heute gesucht: als funktionales, privat und fungibel agierendes digitales Bargeld.

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