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Volle Selbstverwahrung, halbe Kontrolle

Muun Wallet im Test: Einfach, sicher, aber nicht ohne Schwächen

Das Muun Wallet gilt als eine der spannendsten Optionen für alle, die ein benutzerfreundliches und zugleich leistungsstarkes mobiles Lightning‑Wallet suchen. In unserem Test unter iOS haben wir uns die App im Detail angesehen und zeigen, welche Funktionen Muun bietet, wie sie sich im Alltag schlägt und worauf Nutzer achten sollten, die ein zuverlässiges Wallet für Lightning- und On‑Chain‑Bitcoin‑Transaktionen suchen.

Was ist Muun Wallet?

Muun ist ein selbstverwahrendes Bitcoin-Wallet für iOS und Android, das On-Chain-Transaktionen und Lightning-Zahlungen in einer einzigen App vereint. Entwickelt wird es vom argentinischen Unternehmen Muun Technologies, das die App seit 2019 kontinuierlich weiterentwickelt. Die App ist für Android-Smartphones über den Google Playstore verfügbar und kann auch über den Apple App Store für iOS bezogen werden.

Das Besondere an Muun ist der Ansatz, beide Zahlungsschichten von Bitcoin nahtlos miteinander zu verbinden, ohne dass Nutzer manuell zwischen On-Chain und Lightning wechseln müssen. Die App erkennt automatisch, welches Format eine Zahlung erfordert, und wählt den passenden Weg. Für den Nutzer fühlt sich das Ganze dadurch wie ein einziges, einheitliches Wallet an.

Muun setzt dabei auf ein sogenanntes 2-of-2-Multisignature-Modell, bei dem sowohl der Nutzer als auch Muun einen Schlüssel halten. Das klingt zunächst nach einer Einschränkung der Selbstverwahrung, doch Muun stellt sicher, dass Nutzer ihre Mittel jederzeit auch ohne die Mitwirkung des Unternehmens wiederherstellen können. Der vollständige Recovery-Prozess ist in der App dokumentiert und funktioniert unabhängig davon, ob Muun als Unternehmen noch existiert.

Lightning-Zahlungen wickelt Muun intern über Submarine Swaps ab, was bedeutet, dass technisch gesehen jede Lightning-Transaktion im Hintergrund als On-Chain-Vorgang behandelt wird. Das macht die App besonders einfach zu bedienen, hat aber Auswirkungen auf die Gebührenstruktur, die Nutzer kennen sollten.

Insgesamt richtet sich Muun an Bitcoin-Nutzer, die Wert auf Einfachheit und echte Selbstverwahrung legen, ohne sich mit der technischen Komplexität von Lightning-Kanälen auseinandersetzen zu wollen.

So startet man mit Muun Wallet

Unsere Reise beginnt im App Store. Per Suchfunktion ist Muun Wallet schnell gefunden und der Download geht schnell über die Bühne. Nach dem Öffnen begrüßt uns ein schlichtes Interface, das sofort signalisiert: Hier wurde auf Übersichtlichkeit gesetzt. Kein überladenes Onboarding, keine endlosen Erklärbildschirme.

Wir tippen auf „Neues Wallet erstellen“ und werden direkt dazu aufgefordert einen PIN festzulegen. Zudem haben wir die Wahl das Wallet per FaceID zu entsperren. Danach kann es direkt losgehen, was uns ein wenig irritiert. Typischerweise managt man mit einem Mobile Wallet kleinere Bitcoin-Beträge, aber ohne Backup zu starten, kann später einmal ärgerlich sein. Standardmäßig kommt also keine Aufforderung, aber immerhin wird die Option eingeblendet und selbstverständlich erstellen wir direkt ein Backup.

Muun Wallet Start
So wird man nach der Installation von Muun begrüßt.

Muun bietet hier zwei Wege an. Wir können eine E-Mail-Adresse hinterlegen oder einen Recovery Key verwenden. Wir entscheiden uns für den Recovery Key, weil dieser Weg vollständig ohne persönliche Angaben auskommt und damit konsequenter zur Idee eines selbstverwahrendes Wallets passt.

Recovery Key und Emergency Kit

Der Recovery Key selbst ist eine lange alphanumerische Zeichenkette, die Muun automatisch generiert und die wir sicher aufbewahren müssen. Die App macht unmissverständlich klar, dass dieser Schlüssel nur einmal angezeigt wird und dass niemand, auch Muun nicht, ihn wiederherstellen kann. Wir schreiben ihn sorgfältig ab und müssen ihn danach zur Bestätigung ein letztes Mal korrekt eingeben. Das kostet ein paar Minuten mehr als der E-Mail-Weg, fühlt sich aber deutlich souveräner an.

Zur Selbstverwahrung gehört nicht nur der Recovery Code, sondern auch ein sogenanntes Emergency Kit. Das Emergency Kit ist der zweite zentrale Baustein, der bei Muun zur vollständigen Selbstverwahrung gehört. Während der Recovery Key den Zugang zum Wallet selbst sichert, bildet das Emergency Kit eine zusätzliche Schutzschicht, die im Ernstfall dafür sorgt, dass man seine Bitcoin unabhängig von der App oder der Infrastruktur des Anbieters wiederherstellen kann. Entscheidet man sich bewusst gegen die Cloud-Option, dann wird dieser Schritt noch etwas technischer, aber auch deutlich näher am Ideal eines selbstbestimmten Setups.

Nachdem wir die Cloud-Sicherung übersprungen haben, weist Muun uns darauf hin, dass das Emergency Kit lokal erstellt werden kann. Die App generiert daraus ein PDF-Dokument, das alle notwendigen Informationen enthält, um das Wallet später über andere Software wiederherzustellen. Das betrifft unter anderem technische Details zur Zusammensetzung des Wallets, die Muun nutzt, um sowohl On-Chain- als auch Lightning-Zahlungen abzubilden. Man bekommt sehr klar vermittelt, dass dieses PDF sensibel ist. Es gehört weder in die Screenshot-Galerie noch in irgendeinen Messenger, sondern auf ein sicheres, am besten vom Internet getrenntes Medium.

Nach der Generierung zeigt Muun das fertige Emergency Kit einmalig an und bietet an, es direkt als Datei zu exportieren. Ohne Cloud führt das meist zu der Frage, wie man das Dokument auf ein sicheres Gerät bekommt. Die sauberste Lösung ist, es per Kabel auf einen Computer zu übertragen oder direkt auf einen verschlüsselten USB-Stick zu speichern. Wer es absolut puristisch mag, kann das Dokument sogar ausdrucken und analog aufbewahren, wobei Muun selbst dazu rät, nur vertrauenswürdige Drucker zu verwenden. Interessant ist, dass man beim lokalen Export keinen einzigen persönlichen Datentyp hinterlassen muss. Das passt zum generellen Design der App, die konsequent darauf setzt, keinerlei unnötige Nutzerdaten anzufassen.

Hat man das Dokument gesichert, bestätigt Muun diesen Schritt und beendet das Setup ohne weitere Unterbrechungen. Jetzt ist das Wallet vollständig eingerichtet, inklusive Recovery Key und Emergency Kit, ohne dass irgendetwas in der Cloud liegt oder die App zusätzliche Informationen zurückmeldet. Dieser Prozess ist zwar etwas aufwendiger als die bequeme E-Mail-Variante, aber genau das vermittelt das Gefühl, ein Wallet in der Hand zu halten, das echte Selbstverwahrung ernst nimmt.

Die Vorteile von Muun Wallet

Der größte Pluspunkt von Muun ist die Einstiegshürde, die schlicht nicht existiert. Wer die App öffnet, hat in wenigen Minuten ein funktionsfähiges Wallet, das sowohl On-Chain als auch Lightning beherrscht. Andere Wallets verlangen hier mehr Geduld. Phoenix etwa fordert beim ersten Start eine Kanalöffnungsgebühr, Zeus setzt voraus, dass man entweder einen eigenen Node betreibt oder zumindest weiß, was das bedeutet. Muun stellt keine einzige technische Frage.

Das Zusammenspiel von On-Chain und Lightning ist dabei eines der durchdachtesten Features. Es gibt keine zwei getrennten Wallets, keine manuelle Auswahl, welchen Weg eine Zahlung nehmen soll. Muun entscheidet das automatisch im Hintergrund. Für Nutzer, die einfach bezahlen oder empfangen wollen, ohne sich um Protokolldetails zu kümmern, ist das ein echter Komfortgewinn.

Die Selbstverwahrung ist trotz der Einfachheit vollständig erhalten. Wallet of Satoshi ist zwar noch zugänglicher, gibt dafür aber die Kontrolle über die eigenen Schlüssel komplett ab. Muun hält daran fest, dass der Nutzer jederzeit ohne die Mitwirkung des Unternehmens auf seine Mittel zugreifen kann. Das Emergency Kit und der Recovery Key sind kein Feigenblatt, sondern funktionieren tatsächlich unabhängig davon, ob Muun als Unternehmen noch existiert.

Auch das Design verdient Erwähnung. Die Oberfläche ist aufgeräumt, die Navigation intuitiv und die App wirkt zu keinem Zeitpunkt überladen. Breez bietet mehr Funktionen, wirkt dadurch aber stellenweise unübersichtlicher. Muun hat konsequent auf alles verzichtet, was Einsteiger verwirren könnte.

Die Nachteile von Muun Wallet

Die Gebührenstruktur ist der wohl kritischste Punkt. Da Muun Lightning-Zahlungen intern über Submarine Swaps abwickelt, entstehen bei jeder Lightning-Transaktion On-Chain-Gebühren im Hintergrund. Das macht Muun bei kleinen Beträgen spürbar teurer als native Lightning-Wallets. Phoenix oder Breez, die echte Lightning-Kanäle verwalten, sind hier effizienter und günstiger, sobald man regelmäßig kleine Beträge sendet oder empfängt.

Eng damit verbunden ist die fehlende Gebührenkontrolle. Muun übernimmt das Kanalmanagement vollständig, was bedeutet, dass Nutzer keinen Einfluss auf die anfallenden Kosten haben. Wer genau wissen möchte, was eine Transaktion kostet, oder wer in Phasen hoher Mempool-Aktivität günstig zahlen will, stößt hier an Grenzen. Zeus-Nutzer mit eigenem Node haben dagegen die volle Kontrolle über jeden Parameter.

Ein weiteres Thema ist die Empfangsseite bei Lightning. Wer über Lightning empfangen möchte, zahlt ebenfalls eine Gebühr, da Muun dafür einen Swap durchführt. Bei Phoenix wurde dieses Problem mit der Einführung von BOLT12 und angepassten Kanalgebühren zumindest transparenter gelöst. Bei Muun bleibt die Gebührenlogik für viele Nutzer eine Blackbox.

Wer tiefer in Bitcoin einsteigen möchte, wird Muun mit der Zeit zu einfach finden. Die App lässt kaum Konfigurationsmöglichkeiten zu. Es gibt keine erweiterten Einstellungen für Routing, keine Möglichkeit, einen eigenen Node anzubinden, und keine detaillierte Transaktionshistorie mit technischen Details. Breez und Zeus richten sich hier klar an ein technisch versierteres Publikum und wachsen mit den Ansprüchen ihrer Nutzer mit.

Schließlich bleibt die Abhängigkeit von Muuns Infrastruktur im Alltag ein latentes Thema. Zwar kann man das Wallet im Notfall ohne Muun wiederherstellen, für den täglichen Betrieb ist man jedoch auf die Server des Unternehmens angewiesen. Das ist kein K.o.-Kriterium, aber ein Aspekt, den sicherheitsbewusste Nutzer kennen sollten.

Einzelwertung für Muun Wallet

Bedienung und Nutzererlebnis | 4/5 30% der Gesamtwertung ★★★★

Muun gehört zweifellos zu den am besten gestalteten Bitcoin-Wallets auf dem Markt. Das Interface ist aufgeräumt, modern und konsequent auf Einfachheit ausgelegt — man merkt, dass hier ein Team am Werk war, das tatsächlich über UX nachgedacht hat. Die Einrichtung dauert keine drei Minuten: App herunterladen, Wallet erstellen, fertig. Kein Seed-Phrase-Stress, kein Channel-Management, keine Inbound-Liquidity-Rätsel. Wer zum ersten Mal eine Lightning-Wallet einrichtet, wird von Muun nicht überfordert.

Die nahtlose Integration von On-Chain- und Lightning-Zahlungen aus einer einzigen Balance heraus ist ein echter Alleinstellungsmerkmal. Nutzer müssen sich nicht darum kümmern, welcher Teil ihres Guthabens „on-chain“ und welcher „off-chain“ ist. Das ist für Einsteiger außerordentlich bequem und reduziert die kognitive Last erheblich.

Im Alltag läuft die App stabil. Zahlungen gehen in der Regel schnell durch, die Gebührenanzeige ist klar, und der Mempool-basierte Fee-Schätzer funktioniert zuverlässig. Der Gebührenschätzer orientiert sich am aktuellen Zustand des Mempools und schlägt passende Fee-Raten für die nächste Block-Bestätigung vor. Das spart im Vergleich zu anderen Wallets im Schnitt rund 24 Prozent.

Zwei Punkte trüben das sonst sehr gute Bild jedoch spürbar. Erstens liest Muun beim Öffnen des Empfangsscreens automatisch den Inhalt der Zwischenablage aus. Das ist eine Praxis, die von Nutzern zu Recht als schlechte Datenschutzpraxis kritisiert wird, auch wenn das Team erklärt, es werde lediglich client-seitig geprüft, ob eine Bitcoin-Adresse oder LNURL im Clipboard vorhanden ist. Auf Android wurde dieses Verhalten für Nutzer ab Version 12 inzwischen gemäß den Android-Best-Practices entschärft, wie ein entsprechender Changelog-Eintrag bestätigt. Auf iOS hingegen bleibt das Verhalten unverändert und problematisch. Zweitens kann es in Ausnahmefällen passieren, dass eine vermeintliche Lightning-Zahlung eine On-Chain-Bestätigung abwarten muss. Das ist kein ideales Erlebnis, wenn man an der Ladenkasse oder in einer zeitkritischen Situation schnell zahlen möchte.

Unter dem Strich bleibt Muun für Einsteiger eine der besten Optionen am Markt, weil es einfach, schnell und frustfrei ist. Für erfahrene Nutzer hingegen wirkt das Interface mit der Zeit etwas einschränkend, weil fortgeschrittene Einstellungen schlicht nicht existieren.

Sicherheit und Selbstverwahrung | 3/5 — 25% der Gesamtwertung★★★★★

Muun bezeichnet sich selbst als „fully self-custodial“ — und das stimmt, aber nur mit erheblichen Einschränkungen, die man kennen muss. Das Wallet arbeitet als 2-of-2-Multisig: Ein Schlüssel liegt auf dem Gerät des Nutzers, der zweite verschlüsselt auf Muuns Servern. Das Emergency Kit enthält beide Schlüssel und ermöglicht im Notfall die eigenständige Wiederherstellung. Dieser Ansatz ist durchdacht und bietet realen Schutz: Wer das Gerät verliert, ist nicht aufgeschmissen, und wer gehackt wird, hat zumindest keinen sofortigen Totalverlust zu befürchten, weil für eine Transaktion zwei Schlüssel benötigt werden.

Das Emergency Kit selbst ist als verschlüsselte PDF-Datei konzipiert, die private Schlüssel, Output-Deskriptoren und Anleitungen zur Wiederherstellung enthält. Für die Entschlüsselung ist ein individueller Recovery-Code erforderlich, der beim Setup generiert wird — ein geleaktes Kit allein reicht also nicht aus, um auf die Mittel zuzugreifen. Das ist solide Sicherheitsarchitektur. Biometrisches Login ist inzwischen implementiert und schützt den Zugang zur App im Alltag zuverlässig.

Dennoch gibt es gewichtige Kritikpunkte. Der gravierendste: Muun unterstützt keine Standard-Seed-Phrasen nach BIP39 — also keine 12- oder 24-Wort-Mnemonics, wie sie in der gesamten restlichen Wallet-Welt üblich sind. Das bedeutet im Klartext: Man kann ein Muun-Wallet nicht einfach in eine andere Wallet-App importieren. Wer auf Muun angewiesen ist und das Team oder die App irgendwann nicht mehr existiert, muss auf das Recovery-Tool von Muun zurückgreifen — und selbst das hat in der Vergangenheit Probleme bereitet. Es gibt Berichte von Nutzern, deren Recovery-Prozess nach stundenlangem Scan mit einem Fehler abgebrochen ist, und der anschließende Support-Kontakt blieb wochenlang unbeantwortet.

Ein weiterer konzeptioneller Schwachpunkt betrifft das Sicherheitsmodell im Lightning-Bereich: Wer Mittel über Lightning empfängt, kann nicht nachvollziehen, auf welche On-Chain-Adresse die zugehörige Submarine-Swap-Transaktion gebucht wurde. Muun informiert den Nutzer darüber schlicht nicht. Das mag für Einsteiger irrelevant klingen, ist aber für alle, die ihr Sicherheitsmodell wirklich verstehen wollen, ein echtes Problem. Selbstverwaltung bedeutet eben nicht nur, dass man technisch Zugriff auf seine Schlüssel hat, sondern bedeutet auch, dass man versteht, was mit seinen Mitteln geschieht.

Positiv zu vermerken: Der Code ist vollständig Open Source und unter der MIT-Lizenz veröffentlicht, was externe Audits ermöglicht.

Lightning und Interoperabilität | 2/5 — 25% der Gesamtwertung ★★★★★

Dies ist die Kategorie, in der Muun am deutlichsten hinter den Erwartungen zurückbleibt — und wo ehrliche Kritik besonders wichtig ist, weil sich die App explizit als „Bitcoin Lightning Wallet“ vermarktet. Doch genau das ist Muun technisch gesehen nicht.

Muun selbst hat bestätigt, kein natives Lightning-Wallet zu sein. Lightning-Zahlungen werden ausschließlich über Submarine Swaps abgewickelt — ein Mechanismus, bei dem On-Chain-Bitcoin automatisch in Lightning-Zahlungen umgewandelt werden. Nutzer halten dabei zu keinem Zeitpunkt Off-Chain-Guthaben. Das klingt zunächst nach einem technischen Detail, hat aber weitreichende praktische Konsequenzen.

Erstens bei den Gebühren: Da jede Lightning-Transaktion im Hintergrund eine On-Chain-Komponente enthält, fallen entsprechende On-Chain-Gebühren an. Diese können je nach Netzwerklast erheblich sein — Nutzer berichten von Gebühren zwischen sechs und zwanzig Prozent des Transaktionsbetrags. In ruhigen Phasen ist das verkraftbar, bei vollem Mempool aber schlicht inakzeptabel. Lightning soll günstig und schnell sein — Muun kann dieses Versprechen strukturell bedingt nicht immer einhalten. Daran hat sich auch 2026 nichts geändert: Aktuelle Reviews benennen die Gebührenproblematik durch Submarine Swaps bei hoher Netzwerkauslastung weiterhin explizit als zentralen Nachteil.

Zweitens beim Routing: Alle eingehenden Lightning-Zahlungen werden über Muuns eigenen Node „Magnetron“ geroutet, der Gebühren von mindestens 1.500 ppm erhebt. Das ist so hoch, dass manche Dienste Zahlungen an Muun-Wallets schlicht ablehnen, weil sie nicht bereit sind, diesen Aufschlag zu tragen. Das schränkt die Kompatibilität mit Teilen des Lightning-Ökosystems erheblich ein.

Drittens bei der Standardunterstützung: LNURL-Pay, LNURL-Auth und leere Invoices werden nicht unterstützt — lediglich Invoices mit voreingestelltem Betrag sind akzeptabel. Lightning-Adressen im Format nutzer@domain.com, die sich im Ökosystem längst als Standard etabliert haben, fehlen ebenfalls — und das ist im Frühjahr 2026 nach wie vor der Fall. Wer auf Plattformen wie Stacker News, Nostr-Clients oder anderen Lightning-nativen Diensten aktiv ist, wird mit Muun regelmäßig an Grenzen stoßen.

Kritiker in der Community haben zu Recht darauf hingewiesen, dass Muuns Vermarktung als Lightning-Wallet Menschen dazu gebracht hat, Lightning als teuer und langsam wahrzunehmen — weil sie mit Muun schlechte Erfahrungen gemacht haben, die einem echten Lightning-Wallet nicht passiert wären. Das ist ein Reputationsschaden, der über das Wallet selbst hinausgeht.

Funktionen und Ökosystem | 2,5/5 — 15% der Gesamtwertung ★★★★

Muun tut das Wesentliche: Bitcoin senden und empfangen, sowohl on-chain als auch über Lightning — und das aus einer einzigen, einheitlichen Balance heraus. Taproot wird unterstützt, ebenso SegWit und Bech32-Adressen. Der Mempool-basierte Gebührenschätzer erlaubt es, zwischen verschiedenen Bestätigungsgeschwindigkeiten abzuwägen. Das sind solide Grundlagen.

Doch wer darüber hinausgeht, stößt schnell an Grenzen. On- und Off-Ramps — also die Möglichkeit, direkt in der App zwischen Fiat und Bitcoin zu wechseln — existieren nicht. Swaps zu anderen Währungen oder Netzwerken sind ebenfalls nicht vorgesehen. Nostr-Integration, CoinJoin, PayJoin, Tor-Unterstützung oder der Export des xPub für Watch-Only-Wallets sind nicht implementiert. Wer seinen Node selbst wählen oder sich mit spezifischen Lightning-Peers verbinden möchte, hat bei Muun keine Möglichkeit dazu.

Auch Multi-Device-Nutzung ist nicht vorgesehen — das Wallet ist streng an ein Gerät gebunden. Das Gesamtbild ist das einer Wallet, die für einen sehr spezifischen Anwendungsfall — Einsteiger, die Bitcoin erstmals ausprobieren wollen — gut gerüstet ist, aber für alle anderen Ansprüche schnell zu schmal wird.

Für fortgeschrittene Nutzer, die Lightning produktiv nutzen, Nostr-Clients bedienen oder am breiteren Bitcoin-Ökosystem teilhaben wollen, ist Muun schlicht das falsche Werkzeug.

Datenschutz & Vertrauen | 3/5 5% der Gesamtwertung ★★★★★

Auf der Habenseite: Muun ist vollständig Open Source, der Code ist auf GitHub einsehbar und unter der MIT-Lizenz veröffentlicht. Es gibt keine KYC-Anforderungen, keine Pflichtregistrierung und — soweit bekannt — keine aggressive Telemetrie. Das Entwicklerteam von Muun Labs aus Argentinien ist seit 2018 aktiv, kommuniziert auf Twitter und antwortet zumindest gelegentlich auf Support-Anfragen. In einem dokumentierten Fall hat Muun eine verlorene Zahlung über mehrere Monate hinweg nachverfolgt und dem Nutzer letztlich zurückerstattet — das spricht für echtes Engagement.

Auf der Sollseite stehen jedoch ernsthafte Bedenken. Das gravierendste Problem ist die irreführende Selbstdarstellung: Muun bewirbt sich im App Store als „Bitcoin Lightning Wallet“, obwohl es sich technisch um ein On-Chain-Wallet handelt, das Lightning über Submarine Swaps simuliert. Das ist keine Kleinigkeit — wer eine Wallet als Lightning-Wallet vermarktet, die es technisch nicht ist, täuscht seine Nutzer. Und diese Täuschung hat reale Konsequenzen, wenn Nutzer hohe Gebühren erleben und daraufhin Lightning pauschal als teuer abstempeln.

Auch intern fehlt es an Transparenz: Wenn Mittel über Lightning empfangen werden, gibt Muun dem Nutzer keinerlei Auskunft darüber, welche On-Chain-Adressen beim Submarine-Swap-Prozess verwendet werden. Für ein Wallet, das Selbstverwaltung in den Mittelpunkt seiner Kommunikation stellt, ist das ein Widerspruch.

Der Support ist zweischneidig: Es gibt ihn, er ist auf Englisch und Spanisch verfügbar, und manche Nutzer berichten von positiven Erfahrungen. Andere hingegen schildern, dass ihre Anfragen wochenlang unbeantwortet blieben oder dass Support-Mitarbeiter bereits übermittelte Informationen erneut abfragten, als hätten sie die ursprüngliche Mail nie gelesen. Das ist kein konsistentes Serviceniveau.

Gesamtwertung

Muun Wallet

Muun ist ein exzellenter Einstieg in Bitcoin. Schönes Design, einfache Handhabung, kein technisches Vorwissen nötig. Wer aber wirklich Lightning nutzen will, kompatibel mit dem Ökosystem sein möchte und sein Sicherheitsmodell vollständig verstehen will, sollte schnell den Wechsel zu Phoenix, Breez oder Blixt in Betracht ziehen. Muun hat seinen Platz, aber er ist kleiner, als das Marketing suggeriert.

Bewertung des Redakteurs:
3

Vorteile

  • Einfache Einrichtung in wenigen Minuten
  • On-Chain und Lightning in einer App, nahtlos integriert
  • Vollständige Selbstverwahrung trotz einfacher Bedienung
  • Kein Kanalmanagement notwendig
  • Übersichtliches, aufgeräumtes Interface
  • Open Source
  • Emergency Kit ermöglicht Wiederherstellung ohne Muun

Nachteile

  • Kein natives Lightning-Wallet, Lightning läuft über Submarine Swaps
  • Jede Lightning-Transaktion verursacht On-Chain-Gebühren
  • Keine Kontrolle über Transaktionsgebühren
  • Empfangen über Lightning ebenfalls kostenpflichtig
  • Kaum Konfigurationsmöglichkeiten für fortgeschrittene Nutzer
  • Kein eigener Node anschließbar
  • Abhängigkeit von Muuns Infrastruktur im Alltag