Die Renditen langlaufender japanischer Staatsanleihen sind in dieser Woche auf Höchststände geklettert, die seit den 1990er Jahren nicht mehr erreicht wurden. Das symbolisiert einen wachsenden Vertrauensverlust in die Stabilität der japanischen Märkte. Auslöser war die Ankündigung einer Neuwahl am 8. Februar durch die Premierministerin Sanae Takaichi. Sie verspricht Steuersenkungen, z. B. eine zweijährige Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel (geschätzte Kosten: 5 Billionen Yen pro Jahr), und höhere Ausgaben. Dies würde die Staatsausgaben weiter aufblähen, bei einer bereits hohen Verschuldung – Japan hat ein Staatshaushaltsdefizit von etwa 0,6 Prozent und eine Schuldenquote von über 250 Prozent des BIP.
Kein nachhaltiger Pfad erkennbar
Investoren fürchten eine Zunahme der Anleiheemissionen ohne klare Finanzierung und damit eine wachsende Schuldenlast. Japan befindet sich defacto in einer Sackgasse. Die Bank of Japan erhöht seit 2024 die Zinsen, um die steigende Inflation und die anhaltende Schwäche des Yen zu bekämpfen. Das vergrößert jedoch die Schuldenkrise, da die Kosten für eine Neuschuldenaufnahme steigen – bei einer gleichzeitig expansiven Politik der Regierung, die zusätzliche Schulden erfordert. Wenn die BoJ weiter an einer Normalisierung ihrer Geldpolitik festhält, droht die Schuldensituation zu eskalieren. Eine Rückkehr zur jahrzehntelang aufrechterhaltenen geldpolitischen Lockerung droht jedoch in einer ausufernden Inflation zu münden, da die Regierung defizitär arbeitet und das Wachstum in Japan seit Jahrzehnten schwach verläuft.
Der Yen-Carry-Trade als globaler Faktor
Die Situation in Japan hat globale Relevanz, da die jahrzehntelange Nullzinspolitik Japan zu einer internationalen Liquiditätsquelle gemacht hat. Ausländische institutionelle Investoren haben sich in Japan billig finanzierbare Kredite geholt und dieses Kapital in höher rentierenden Währungsräumen angelegt, hauptsächlich in den USA. Durch die steigenden japanischen Zinsen schließt sich nun jedoch schrittweise der Spread zwischen beiden Währungsräumen und führt zu einer Auflösung dieses sogenannten Yen-Carry-Trades, da der Arbitrage-Handel weniger rentabel wird.
Aktuell ist der Spread immer noch hoch: Während der Realzins in Japan bei einer Inflation von etwa 3 Prozent und Zinssätzen von 0,75 Prozent weiterhin negativ ist, liefern die USA mit einer Inflation von aktuell etwa 2,5 Prozent und einem Leitzins zwischen 3,5 und 3,75 Prozent deutlich bessere Konditionen. Doch der Spread schließt sich durch die starken Zinsanstiege am japanischen Anleihemarkt, die Bankkredite teurer werden lassen, während die Federal Reserve ihren nächsten geldpolitischen Lockerungszyklus eingeleitet hat und damit in die andere Richtung steuert.
Wie wird sich diese Situation auflösen?
Das Schuldenproblem ist global betrachtet strukturell überall ähnlich. Es werden zu viele Schulden aufgenommen, die nicht ohne geldpolitische Unterstützung zurückgezahlt bzw. refinanziert werden können – durch niedrigere Zinsen und direkte Zuführung von künstlicher Liquidität in die Märkte. Es gibt zwei grundsätzliche Optionen, um diese Situation aufzulösen:
Option eins wäre die langfristig nachhaltigere Methode – ein Abbau des Staatshaushaltsdefizits durch Steuererhöhungen und eine Verringerung der Ausgaben, sowie ein „Reinwaschen“ der Realwirtschaft durch das Ausbleiben geldpolitischer Unterstützung für Banken und Unternehmen, die wirtschaftlich nicht rentabel sind und nur durch anhaltende Schuldenrefinanzierung über Wasser gehalten werden können. Diese Option ist politisch sehr unbeliebt, da sie sich negativ auf die nächsten Wahlergebnisse auswirken kann. Die weltweite Schuldenentwicklung der letzten Jahrzehnte spricht ein klares Bild – egal um welche Partei oder Regierung es sich handelt, keiner hat bisher die Option eines harten wirtschaftlichen Resets gezogen, obwohl historische Beispiele (USA in den 20ern und 30ern) zeigen, dass der Aufschwung danach lange und nachhaltig stattfinden kann.
Option zwei scheint die beliebtere Methode zu sein – das Schuldenproblem durch eine weitere Runde geldpolitischer Lockerung in die Zukunft verschieben, indem eine Refinanzierung unter künstlichen Bedingungen möglich gemacht wird. Diese Methode hat langfristig jedoch die höheren Opportunitätskosten, da es aufgrund der anhaltenden Geldmengenausweitung zu einer asymmetrischen Inflation führt – in der groben Reihenfolge: Vermögenswerte, Rohstoffe, Verbraucherpreise, Löhne – die die Schere zwischen Arm und Reich perspektivisch größer werden lässt und das Finanzsystem instabiler macht, da es nicht mehr ohne geldpolitische Moderation auskommen kann.
Die japanische Regierung scheint weiterhin einen Wachstumskurs fahren zu wollen und lehnt sich daher in Richtung der zweiten Option. Die Bank of Japan wird folgen müssen und zu geldpolitischer Lockerung zurückkehren, wenn es nicht zu einer Schuldenkrise kommen soll. In den USA zeichnet sich ein ähnliches Bild – anschaulich demonstriert durch die anhaltende Schlammschlacht zwischen Trump und dem Fed-Vorsitzenden Jerome Powell, der sich den Wünschen der Regierung nach drastischen Zinssenkungen und mehr Liquidität bisher nur sehr widerwillig beugt und dessen Amtszeit ohnehin bald endet. In Europa ist die Lage vergleichbar. Frankreich befindet sich in einer den USA ähnlichen Schuldenkrise nur im kleineren Maßstab, Deutschland hat unter der neuen Regierung ein Rekord-Schuldenpaket aufgenommen und auch die anderen europäischen Länder stehen unter Druck. China ist bereits in den geldpolitischen Lockerungsmodus übergegangen.
Wird Bitcoin der große Profiteur?
Die Zeichen stehen auf globale geldpolitische Lockerung. Egal, welcher Krisenherd am Ende der Auslöser sein wird, Japan, Europa, oder die USA. Solange kein politisches Umdenken in Richtung eines Abbaus der Schuldenlast stattfindet, wird eher früher als später die nächste geldpolitische Antwort folgen müssen.
Während Gold das schwindende Vertrauen und die Absicherung der Marktteilnehmer gegen die antizipierte Geldmengenausweitung bereits durch eine weitere Rekordjagd widerspiegelt, steht der Bitcoin-Kurs weiterhin unter Druck. Bitcoin bleibt in erster Linie ein sehr sensibles Liquiditätsbarometer. Kurzfristig haben die geopolitischen und fiskalischen Verwerfungen negative Auswirkungen auf die Marktliquidität, was Bitcoin entsprechend widerspiegelt. Mittel- und langfristig dürfte Bitcoin jedoch von einer steigenden Liquidität als Antwort auf die Schuldenkrise positiv reagieren. Die Kursbewegung im Zuge der Corona-Krise dient hier als Referenz. Initial ist Bitcoin aufgrund des Liquiditätsschocks am stärksten gefallen, gefolgt von einer parabolischen Rally im Windschatten der historischen Liquiditätsausweitung als Antwort auf die Krise.
Wirklich interessant wird jedoch sein, ob Bitcoin stärker in die Rolle als Wertspeicher und Alternative zum aktuellen System hineinwachsen kann. Aktuell nimmt Gold diese Rolle noch klar ein, besonders getrieben durch die Zentralbankkäufe als strukturell wichtige Akteure am Markt, während Bitcoin noch hauptsächlich als Liquiditätsbarometer des Marktes fungiert. Ändern kann sich das perspektivisch durch einen weiter steigenden Vertrauensverlust in die globalen Anleihemärkte, sowie durch eine weitere staatliche Adaption von Bitcoin als strategische Reserve. Hier können die USA den größten Einfluss nehmen, sollten die Pläne einer strategischen Reserve und besonders den Zukäufen von Bitcoin-Beständen für diese Reserve konkretisiert werden. US-Finanzminister Scott Bessent hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in dieser Hinsicht erneut Versprechungen gemacht, doch Worten müssen Taten folgen.
Denken Sie langfristig!
Trump hat mit seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos einige Einblicke in die US-politische Agenda der nächsten Monate gegeben. Eine Analyse dazu, wie diese insgesamt und besonders für den Krypto-Sektor aussieht, finden Sie in der neuen Ausgabe auf decentralist.

