Zwischen dem 11. und 15. Januar hat Bitcoin die holprige Jahresendrally in eine belastbare Erholung überführt. Intraday‑Spitzen im Bereich 97.000–98.000 US‑Dollar setzten ein neues Hoch im jungen Jahr 2026 und bestätigten die Folge höherer Hochs, während der Markt die psychologisch und technisch markante Zone um 95.000 US‑Dollar zurückeroberte. In dieser Phase signalisierten Markt‑ und On‑Chain‑Daten: Der Aufwärtsimpuls wurde nicht ausschließlich von Derivaten getragen, sondern erhielt Rückenwind durch Spot‑Nachfrage – trotz kurzfristig schwankender ETF‑Ströme und einer noch nicht restlos entschiedenen Makrolage.
Ein wichtiger Taktgeber der Woche war die Kante zwischen ETF‑Zu- und ‑Abflüssen. Nach einem starken Auftakt zum Jahresbeginn – knapp 1,2 Milliarden US‑Dollar Nettomittelzuflüsse in zwei Handelstagen – kippten die US‑Spot‑ETFs zwischen 6. und 9. Januar kurzzeitig in Nettoabflüsse und gaben damit einen Teil des frischen Zuflusses wieder ab. Diese Sequenz erklärt, warum Bitcoin an Widerständen zunächst zögerte, auch wenn das Preisverhalten robust blieb. Die zeitliche Abfolge der Flows ist für das Wochenfenster 11.–15. Januar zentral, weil der Markt ab der CPI‑Woche auf die Stabilisierung der ETF‑Nachfrage setzte. Daten von SoSoValue zeigen 1,17 Milliarden US‑Dollar Nettozuflüsse am 2. und 5. Januar, gefolgt von drei Abflusstagen mit in Summe rund 1,13 Milliarden US‑Dollar. Das spricht für ein „cooling of risk appetite“, was jedoch die beginnende Erholung nicht annullierte.
Das Derivatebild untermauerte den Ausbruch: Aggregiertes Open Interest pendelte um 30 Milliarden US‑Dollar und legte in die Stärke leicht zu, jedoch ohne die exzessive Hebel‑Euphorie früherer Phasen – ein Muster, das Trendfortsetzung begünstigt, ohne unmittelbar eine Long‑Squeeze‑Vulnerabilität zu erzeugen. Parallel blieben die Funding‑Raten moderat positiv und schwankten börsenspezifisch um null, was einen überhitzten Long‑Bias relativiert. Der 14. Januar brachte dann eine große Short‑Liquidation mit rund 718 Millionen US‑Dollar in 24 Stunden, davon entfielen etwa 402 Millionen US‑Dollar auf Bitcoin – ein Hinweis darauf, dass der Durchbruch über lokale Widerstände von zwangsweisen Eindeckungen begleitet war und kurzfristig zusätzlichen Auftrieb lieferte.
On‑Chain‑Flüsse zeichneten während des Betrachtungszeitraums ein konstruktives, aber noch nicht euphorisches Bild. Es zeigt sich über mehrere Horizonte hinweg einen Übergang zu positiven Spot‑Nettoabflüssen von Börsen – ein klassisches Angebotssignal, weil weniger Coins kurzfristig verkaufsbereit sind. Im 7‑ bis 15‑Tage‑Fenster überwogen netto Abflüsse im Milliarden‑US‑Dollar‑Bereich, während Stablecoin‑Zuströme nur verhalten anzogen. Das spricht für selektive Akkumulation und eine Marktphase, in der BTC den Takt vorgibt, bevor breite Altcoin‑Rotationen folgen.
Die Bitcoin‑Dominanz (BTC.D) stabilisierte sich in der Zone um 58–59 Prozent. Es handelt sich um ein Niveau, das historisch BTC‑geführte Phasen signalisiert und Altcoin‑Outperformance begrenzt, bis ein klarer Bruch nach unten erfolgt. Einige Experten diskutierten eine Dreieckskompression um 59 Prozent und einen „decision point“. Ein bestätigter Rückgang unter 58 Prozent würde Altseason‑Tendenzen verstärken. Umgekehrt festigt eine Rückkehr über 60 Prozent den BTC‑Lead.
Auf der Makroseite setzte die CPI‑Woche einen klaren Takt. Vor der Veröffentlichung am 13. Januar preisten Märkte eine 91‑prozentige Wahrscheinlichkeit für unveränderte Fed‑Zinsen ein, während der November‑Print von 2,7 Prozent die Erwartung weiterer Abkühlung stützte. Kühle Inflationsdaten sind tendenziell Rückenwind für Bitcoin, weil sie die Reflation von Risikoanlagen begünstigen, den Dollar dämpfen und die Diskontierung künftiger Cashflows milder ausfallen lassen. In Summe trug die Datenlage zur Stabilisierung über 90.000 US‑Dollar bei und minderte das Tail‑Risiko eines unmittelbaren, makrogetriebenen Risk‑Off‑Schocks in der betrachteten Spanne.
Ein zweiter, mittelfristig relevanter Grundpfeiler ist die Angebotsseite via Mining. Die erste Difficulty‑Anpassung 2026 brachte eine leichte Entlastung auf 146,4 T – historisch hoch, aber kurzfristig atemgebend –, während für den 22. Januar erneut eine Anhebung auf ca. 148,2 T avisiert wurde. In der Praxis bedeutet das: Der strukturelle Kostendruck der Miner bleibt bestehen, Miner‑Verkäufe als potenzielle Angebotsquelle sind nicht verschwunden, nehmen aber mit steigenden Preisen tendenziell ab. Dass die Hashprice‑Erlöse seit November unter nachhaltigen Schwellen lagen, erklärt, warum Upside‑Phasen von reduziertem Sell‑Pressure begleitet sein können – ein leiser, aber wichtiger Rückenwind für Spot‑Rallys wie in der CPI‑Woche.
Warum wir „vorsichtig bullish“ sind
Das Zusammenspiel aus Spot‑Stütze, moderaten Derivate‑Signalen und stabilisierender Makro‑Kulisse rechtfertigt eine positive Grundhaltung – jedoch mit Sicherheitsabstand. Erstens: Der Preis hat ein 2026‑Hoch gesetzt und darüber konsolidiert, während Funding und OI keine überdehnten Long‑Exzesse zeigen. Solche Phasen begünstigen Trendfortsetzung, solange die ETF‑Nachfrage nicht erneut abrupt kippt. Zweitens: Die Dominanz nahe 58–59 Prozent hält Kapital im BTC‑Komplex gebunden und verzögert riskantere Rotationen, was Erholungen in Bitcoin sauberer macht als späte Alt‑Risikowellen. Drittens: Leichte Entlastung auf der Mining‑Seite reduziert strukturelles Verkaufsangebot an den Rändern, ohne den zyklischen Druck völlig aufzuheben – ausreichend für „vorsichtig bullish“, nicht für Euphorie.
Gleichzeitig bleiben Bremsklötze. ETF‑Abflüsse in der Woche vor dem 11. Januar demonstrierten, wie schnell institutionelles Kapital zwischen Risikoneigung und Kasse pendelt. Solange sich die Nettoflüsse nicht über mehrere Sessions stabil positiv präsentieren, bleibt jede Attacke auf sechsstelliges Terrain anfällig für Rückschläge. Die CPI‑Überraschungskomponente sowie die Zins‑Kommunikation Ende Januar können kurzfristig Volatilität triggern. Und schließlich mahnt die Liquidationsstruktur vom 14. Januar zu Disziplin. Sie kann Schübe beschleunigen, aber auch die Basis für „Air‑Pockets“ legen, wenn frische Spot‑Nachfrage nachlässt.
Unter welchen Bedingungen Bitcoin die 100.000 US‑Dollar wieder angreift
Zunächst braucht es eine Rückkehr und Verfestigung positiver ETF‑Nettozuflüsse über mehrere Handelstage, idealerweise mit Breite über IBIT hinaus. Der Jahresauftakt zeigte, dass 1,2 Milliarden US‑Dollar in zwei Sessions eine Preiselastizität erzeugen, die technische Trigger aktiviert. Die anschließenden Abflüsse bremsten aber die Anschlussdynamik. Eine Serie von Nettozuflüssen – flankiert von verhaltenem OI‑Aufbau ohne Funding‑Überhitzung – wäre das „saubere“ Setup für einen Break in Richtung 100.000 US-Dollar.
Taktisch lässt sich das in zwei Pfade übersetzen: In einem „Drift‑Szenario“ reichen stetige ETF‑Mittelzuflüsse im dreistelligen Millionenbereich je Session und neutrale Funding‑Profile aus, damit der Markt 98.000–100.000 US‑Dollar testet und per Schlusskurs überschreitet. In einem zweiten Szenario käme zusätzlich ein exogener Katalysator – etwa ein klar unter Erwartung liegender CPI‑Print oder ein politisches Signal zur CLARITY‑Gesetzgebung – hinzu, der Options‑Gamma und Short‑Eindeckungen bündelt. Options‑Interesse an Strikes im Wert zwischen 98.000 – 100.000 US-Dollar war zu Monatsbeginn sichtbar und könnte den Move beschleunigen, sobald Spot‑Flows greifen.
Was die Daten im Fazit sagen – und was nicht
Zwischen dem 11. und 15. Januar 2026 hat der Markt drei Bausteine für einen ernsthaften Angriff auf die Sechsstelligkeit zurückgewonnen. Höhere Hochs mit respektierten Unterstützungen zwischen 92.000 – 95.000 US-Dollar und ein konstruktiver Derivatemix mit begrenzter Überhitzung und eine nur moderat schwankende ETF‑Nachfrage, die nach frühen Abflüssen wieder Impulse zeigt.
BTC.D bleibt ein Rückenwind‑Indikator zugunsten Bitcoin, während die Mining‑Seite leicht entlastet wurde, ohne den strukturellen Kostendruck zu negieren. Genau diese Mischung begründet unser Urteil „vorsichtig bullish“ – optimistisch genug, um 100.000 US‑Dollar als plausible, datenbasierte Zielmarke zu behandeln, aber defensiv genug, um Reversals bei ETF‑Strömen, hawkisher Makro‑Rhetorik oder plötzlich aufdrehendem Derivate‑Hebel ernst zu nehmen.
Die größte Gefahr für den Move liegt nicht in einer fehlenden Story, sondern in einer Diskrepanz zwischen kurzfristig getriebenen Squeezes und nachhaltiger Spot‑Nachfrage; der 14. Januar war dafür exemplarisch und zeigt, wie schnell Rückenwinde verebben können, wenn Käufernachschub ausbleibt.

