Bitcoin-Kurier | News zu Bitcoin, Blockchain und Kryptowährungen
Märkte

Bitcoin-Crash 2026: Wann und wo kommt es zur Bodenbildung?

Bitcoin brennt
Bildquelle: © stock.adobe.com

Bitcoin hat im Zuge seiner Korrekturbewegung in der letzten Woche innerhalb eines einzigen Tages über 10.000 Dollar an Wert verloren. Prozentual war das der größte Tagesverlust seit dem Bärenmarkt 2022. In kurzer Zeit wurden über zwei Milliarden Dollar an Krypto-Positionen liquidiert. Diese Werte übertreffen selbst frühere Krisen wie den FTX-Zusammenbruch, den Corona-Crash oder den Untergang des Stablecoin-Anbieters Terra Luna. Insgesamt ist die Kryptowährung rund 50 Prozent von ihrem Allzeithoch im Oktober 2025 zurückgekommen. Damit reiht sich der aktuelle Crash in die historisch größten Korrekturen der vergangenen Zyklen ein und stellt den Markt erneut auf eine harte Probe.

Bildquelle: Tradingview.com

Der Bitcoin-Chart ist im Tief bis an den langfristigen Aufwärtstrend seit dem Bärenmarkt-Boden aus dem Jahr 2018 und nahe an seinen 200-Wochen-Trend gerutscht, der in vergangenen Zyklen als wichtige Unterstützungszone für eine Bodenbildung funktioniert hat.

Anzeige

Woher kommt der massive Kursdruck?

Die Intensität der Korrektur gibt den Marktteilnehmern aktuell Rätsel auf da es scheinbar keinen klaren Auslöser so wie in vergangenen Crash-Phasen gibt. Trumps Nominierung des als geldpolitischen Falken geltenden Kevin Warsh als neuen Fed-Vorsitzenden hat in der vergangenen Woche bereits für einen Absturz der Edelmetall-Rally und einen Bitcoin-Kursrückgang gesorgt, doch das erklärt nicht die jüngste Talfahrt.

Makroseitig können Faktoren wie die aktuelle Schwäche des Tech-Sektors, die volatilen Edelmetall-Märkte, sowie eine Reihe von Zwangsverkäufen gehebelter Marktteilnehmer als Erklärung herangezogen werden.

Plausibel ist jedoch auch, dass es zu einer Liquidation eines sehr großen Marktteilnehmers gekommen ist, der möglicherweise bereits im Zuge des extremen Krypto-Liquidationsevents am 10. Oktober 2025 strukturellen Schaden genommen hatte und sich nun nicht mehr über Wasser halten konnte. Dabei kann es sich um eine Krypto-Börse oder großen Investmentfonds handeln. Die aktuell extrem hohen Handelsvolumina deuten auf massive Positionsauflösungen hin, die möglicherweise forciert stattfinden. Die Zeit wird zeigen, wer in nächster Zeit an die Oberfläche gespült wird.

Ein weiteres Puzzlestück bleibt der Druckfaktor durch eine teilweise Auflösung des Yen-Carry-Trades. Hedgefonds, die möglicherweise mit Yen-finanzierten Krediten hoch gehebelte Positionen in BTC-ETF-Optionspapiere eingegangen sind und auch die spekulative Welle der Edelmetall-Blase geritten sind, könnten durch die jüngsten Turbulenzen in beiden Märkten zwangsliquidiert worden sein. Ein Zusammenspiel all dieser Faktoren ist angesichts der aktuellen Marktvolatilität plausibel.

Hinzu kommt eine am Tiefpunkt liegende Marktstimmung, die auf mehreren Faktoren beruht: Der Bitcoin-Vierjahreszyklus spielt sich aktuell entsprechend der Bärenmarkt-Erwartungen aus, ein Durchbruch in Sachen US-Krypto-Regulierung durch den Clarity Act scheint aufgrund des festgefahrenen Streits zwischen der Krypto-Industrie und der Bankenlobby in weite Ferne gerückt zu sein und die geldpolitische Erwartungshaltung hat sich mit der Nominierung von Kevin Warsh deutlich ins Negative gedreht. Zudem rückt Bitcoin aktuell wieder weit weg von seinem Narrativ als Wertspeicher in Zeiten geopolitischer und fiskalischer Unsicherheit und sorgt für Enttäuschung und Zweifel unter vielen Anlegern.

Wo ist der Boden für Bitcoin?

Der 200-Tage-Trend ist nun die maßgebliche Unterstützungszone, die in den Fokus rückt. In der Vergangenheit hat Bitcoin seinen Boden entweder um diese Trendlinie herum oder nahe unter dieser gefunden. Die nächste relevante Unterstützungsebene unter diesem Level findet sich erst wieder im Bereich von 40.000 Dollar.

Zeitlich gesehen befinden wir uns – anhand des 4-Jahreszyklus als Orientierung – erst relativ am Anfang einer Bärenmarktphase. Auch fundamental gesehen liefern die nächsten Monate anhand der aktuellen Datenlage wenig Rückenwind: Die geldpolitische Situation bleibt ungewiss, bis der Markt mehr über Kevin Warshs angestrebten geldpolitischen Kurs weiß. Ein möglicher Regime Chance bei der Fed wird frühestens ab der zweiten Jahreshälfte stattfinden. Saisonal betrachtet läuft der aktuelle Kursverlauf gegen den Trend, ein möglicher geldpolitischer Umschwung ab H2 trifft auf die saisonal typisch schwachen Sommermonate.

Charttechnisch gesehen bewegen wir uns mit Blick auf den 200-Wochen-Trend als historischen Indikator bereits nahe an einem Boden- dafür spricht ebenfalls ein historisch überverkaufter RSI, deutlich abgekühlte On-Chain-Daten, sowie ein marktpsychologisches Sentiment, welches eine absolute Kapitulation signalisiert. Der Crypto Fear and Greed Index hat zuletzt einen Wert von 9/100 erreicht – ein Wert, der das letzte Mal im Bärenmarkt 2022 erreicht worden ist, als der Stablecoinanbieter Terra Luna implodiert ist und wir uns kurstechnisch bereits in der Nähe des Bodens bewegt haben.

Wie ist die Lage aus Investmentperspektive zu bewerten?

Anleger sollten sich jetzt die folgende Grundsatzfrage stellen: Ist der grundsätzliche Investitionsgedanke von Bitcoin noch intakt und hat die Kryptowährung weiterhin das Potenzial, in Zukunft eine größere Rolle als Makro-Asset zu spielen, in Form einer strategischen Reserve für Privatanleger, Unternehmen und Staaten und als alternatives Netzwerk zur Wertspeicherung und möglicherweise auch als Zahlungsmittel?

Wenn diese Frage mit Ja beantwortet wird, dann stellt die aktuelle Marktphase eine interessante Chance zur Akkumulation dar, denn in der Vergangenheit waren Kurse nahe oder unter des 200-Wochen-Trends die Phasen mit den besten Eintrittslevels für Bitcoin.

Bitcoin bleibt ein volatiles Asset, nach oben wie nach unten. Totgesagt wurde die Kryptowährung bereits unzählige Male. Auch aktuell sieht die Lage scheinbar sehr negativ aus. Doch das grundsätzliche Interesse Institutioneller Investoren, Unternehmen, Staaten und Privatanlegern ist ungebrochen, das zeigt die aktuelle Gegenbewegung im Kurs und die langfristige Positionierung vieler Marktteilnehmer.

Überzeichnet wird in der aktuellen Debatte auch teilweise der Eindruck eines strukturellen Zusammenbruchs. Trotz der hohen Verluste bleibt der Markt voll funktionsfähig und zentrale Infrastrukturen wie Börsen und Verwahrstellen zeigen bislang keine systemischen Schwächen. Ein derartiger Kurseinbruch an den traditionellen Märkten würde mindestens Handelsstopps, im Zweifel sogar geldpolitische Notfallmaßnahmen erforderlich machen. Der Krypto-Sektor läuft jedoch weiter.

Denken Sie langfristig!

Ist MicroStrategy durch den jüngsten Bitcoin-Crash und den Einbruch unter den durchschnittlichen Kaufpreis nun in ernsthafter Gefahr? Mehr erfahren Sie in der aktuellen Analyse auf decentralist.

Newsletter abonnieren

Don't miss out!
Invalid email address

Das könnte dich auch interessieren

Bitcoin nach dem Crash: Schadensbericht und Prognose

Robert Steinadler

Japans Anleihemarkt gerät außer Kontrolle – Bitcoin als langfristiger Profiteur?

Alexander Mayer

Gold, KI und Bitcoin: Wie Liquidität die Gewinner von morgen neu sortiert

Alexander Mayer