Der Kryptomarkt erlebt derzeit einen Crash, der in mancher Hinsicht selbst den Zusammenbruch nach dem FTX-Skandal in den Schatten stellt. Denn mehrere Indikatoren zeigen im Tages- und Wochenchart Ausschläge, die nur in absoluten Ausnahmesituationen erreicht wurden. Dazu zählen unter anderem der RSI, aber auch der MACD.
Entgegen der weit verbreiteten Wahrnehmung, der aktuelle Einbruch sei beispiellos, entspricht die gegenwärtige Marktsituation in vielerlei Hinsicht jener aus dem Jahr 2022. Nach dem Hoch im November 2021 verlor Bitcoin innerhalb von 123 Tagen rund 45 Prozent an Wert.

Fast forward: Auch im Jahr 2026 entfaltete sich exakt 123 Tage nach dem Allzeithoch im Oktober 2025 ein massiver Abverkauf. Diesmal verlor Bitcoin von Top zu Bottom gerechnet rund 52 Prozent. Der Ausschlag fällt damit stärker aus, während nennenswerte Korrekturen im Wochenchart bislang ausgeblieben sind.
In dieser Gemengelage ist der Bärenmarkt nicht mehr zu leugnen. Daraus ergeben sich zwei wesentliche Szenarien für den weiteren Verlauf der kommenden Monate.
Erst der Bounce, dann der Todesstoß
Zieht man Parallelen zu den Jahren 2021 und 2022, könnte auf den aktuellen Abverkauf zunächst eine technische Gegenbewegung folgen. Diese würde den Bitcoin-Kurs vom lokalen Tief aus um etwa 20 bis 30 Prozent nach oben korrigieren. Der Auslöser wäre dabei weniger eine simple Wiederholung der Vergangenheit, sondern vielmehr das bekannte Verhaltensmuster der Marktteilnehmer. Bullische Akteure sehen im Crash eine günstige Gelegenheit, um sich „long“ zu positionieren. Das sorgt kurzfristig für Aufwärtsdynamik.
Da das Marktgeschehen jedoch stark vom Derivatemarkt dominiert wird, laufen die Bullen Gefahr, Market Makern und deren Short-Positionierungen zum Opfer zu fallen. Die Folge könnte eine Entwicklung sein, die jener aus dem Jahr 2022 stark ähnelt. Denn auch damals setzte sich der Abwärtstrend über den Sommer hinweg fort. Der FTX-Skandal im November 2022 war letztlich nur der finale Katalysator. Der tatsächliche Boden wurde erst zum Jahreswechsel 2023 erreicht.
Ein solches Szenario ließe sich insbesondere dann invalidieren, wenn institutionelles Interesse spürbar zurückkehrt oder die Aktivität am Spotmarkt jene am Derivatemarkt übersteigt. Während sich institutionelle Investoren auch über ETFs positionieren können, sind es vor allem reale Zukäufe am Spotmarkt, die Shortsellern nachhaltig Einhalt gebieten. Anders ausgedrückt: Bleibt der Derivatemarkt der Taktgeber, kann die Situation jederzeit eskalieren. Denn jeder Crash – auch der aktuelle – ist letztlich eine Kaskade aus Liquidationen und automatisierten Rebalancing-Mechanismen großer Marktteilnehmer.
Option zwei: Der Bärenmarkt im Zeitraffer
Da Indikatoren wie RSI und MACD mittlerweile Niveaus erreicht haben, die selbst in früheren Krisensituationen kaum beobachtet wurden, besteht auch die Möglichkeit, dass der Bärenmarkt noch im laufenden Jahr 2026 endet.
Ein zentraler Faktor dabei ist der anstehende Wechsel an der Spitze der US-Notenbank. Im Mai wird ein neuer Fed-Chef sein Amt antreten. Zuletzt sorgte Kevin Warsh mit Äußerungen für Aufsehen, die viele Marktbeobachter verunsicherten. Er gilt als „Hawk“, also als Befürworter einer restriktiven Geldpolitik. Viele Kryptoexperten halten jedoch geldpolitische Lockerungen für eine notwendige Voraussetzung, damit Bitcoin und andere Risk-on-Assets nachhaltig performen können.
Wie Alexander Mayer in seinen Marktanalysen auf Bitcoin-Kurier regelmäßig ausführt, dürfte die Fed letztlich kaum eine andere Wahl haben. Die massive Staatsverschuldung der USA lasse sich langfristig nur durch geldpolitische Lockerungen tragfähig halten. Sollte sich diese Einschätzung bewahrheiten, könnte der aktuelle Abverkauf bereits den schlimmsten Teil des Bärenmarktes markieren.
Mit dem Amtsantritt Warshs und wachsendem politischen Druck dürfte Donald Trump seinen Willen bekommen. Die Geldpolitik wird gelockert, und Risk-on-Assets beginnen allmählich, wieder ins Plus zu drehen. Der Bärenmarkt im Zeitraffer könnte sein Ende bereits im dritten Quartal finden, wobei der Sommer saisonal bedingt traditionell etwas schwächer ausfällt.
Wie kann man sich erfolgreich positionieren?
Für die meisten Anleger in Deutschland dürfte es ratsam sein, sich auf den Spotmarkt zu konzentrieren und konsequent auf Dollar-Cost-Average zu setzen. Ein Sparplan im Bärenmarkt gilt nach wie vor als der Weg der goldenen Mitte. Es besteht kein Liquidationsrisiko wie bei Derivaten, Sparraten lassen sich flexibel an die eigene finanzielle Situation anpassen, und Spot-Bitcoin bleibt jederzeit liquide, falls ein Verkauf notwendig wird.
Hinzu kommt ein steuerlicher Vorteil, der in Deutschland weiterhin gilt: Verkäufe nach einer Haltedauer von einem Jahr sind steuerfrei. Dieses Argument bleibt bislang unschlagbar und spricht klar für ein langfristiges Engagement über den Spotmarkt.

