Der Kryptomarkt hat in seiner noch jungen Geschichte mehrere fatale Ereignisse erlebt, die zum jeweiligen Zeitpunkt als richtungsweisend galten. Ob der Untergang von Mt. Gox oder der FTX‑Skandal – immer wieder sorgten negative Schlagzeilen für massive Implosionen.
Aktuell hängt Bitcoin regelrecht in den Seilen und wirkt wie ein bereits angezählter Boxer in der letzten Runde. Für viele steht längst fest: Das war’s, hier gibt es nichts mehr zu holen.
Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Geld wird nicht verdient, wenn Assets überbewertet sind, sondern dann, wenn eine Unterbewertung vorliegt. Zumindest gilt das für den Spotmarkt – und der ist für Anleger in Deutschland nach wie vor hochattraktiv. Wer Bitcoin nach dem Kauf länger als ein Jahr hält, kann Gewinne steuerfrei realisieren. Die entscheidende Frage lautet also: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Kaufen? Die Antwort: genau jetzt.
Diese Einschätzung bedeutet nicht, dass der Bitcoin‑Kurs nicht noch weiter fallen könnte. Sie bedeutet jedoch, dass der Markt ein Niveau erreicht hat, das Einstiege – oder Wiedereinstiege – wieder attraktiv macht.
Darauf deuten sowohl technische Indikatoren als auch marktexterne Faktoren hin. Während sich der Yen‑Carry‑Trade zunehmend unter Druck zeigt, gehen viele Marktbeobachter davon aus, dass die US‑Notenbank in absehbarer Zeit einen geldpolitischen Richtungswechsel vollziehen könnte. Ein solches Szenario würde auch dem Kryptomarkt neuen Schwung verleihen. Eine vertiefende Einordnung liefert der Bitcoin-Kurier in dieser Marktanalyse von Alexander Mayer.
Ein historisch niedriger RSI
Im Wochenchart liegt der Relative‑Stärke‑Index aktuell bei rund 32 Punkten. Niedriger notierte er lediglich im Sommer 2022, im Dezember 2018 und im Januar 2015. Selbst der Corona‑Crash im März 2020 erzeugte keinen vergleichbaren Ausschlag. Da der Wochenchart mittel‑ bis langfristige Entwicklungen widerspiegelt, handelt es sich um ein Signal, das nicht ignoriert werden sollte.
Natürlich kann der RSI weiter fallen und auch über längere Zeit auf niedrigem Niveau verharren. Er zeigt zunächst nur, dass die Marktdynamik klar in Richtung Abverkauf gekippt ist. Dennoch lässt sich daraus ableiten, dass Bitcoin sich in einem Bereich bewegt, der historisch mit attraktiven Einstiegszonen korreliert.
Zusätzliche Bestätigung liefert das aktuelle Kursniveau. Die Marke von 74.000 US‑Dollar fungierte im März 2024 als massiver Widerstand und wurde erst im Oktober desselben Jahres nachhaltig überwunden. Klassischerweise verwandeln sich ehemalige Widerstände nach einem Durchbruch in Unterstützungen. Vor diesem Hintergrund könnte sich unterhalb von 80.000 US‑Dollar eine tragfähige Bodenbildung entwickeln.
Was, wenn der Kurs weiter fällt?
Widerstände und Unterstützungen gelten immer nur so lange, bis sie gebrochen werden. Zudem fallen Tiefpunkte beim RSI nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Kurstief zusammen. Im Sommer 2022 lag der RSI zwar bei lediglich 26 Punkten, der Bitcoin‑Kurs schloss jedoch immer noch bei rund 19.284 US‑Dollar. Das eigentliche Kurstief folgte erst im November 2022 nach der Implosion von FTX – zu einem Zeitpunkt, als der RSI bereits deutlich höher notierte.
Eine Bodenbildung ist daher kein punktuelles Ereignis, sondern ein langwieriger Annäherungsprozess. Nur die wenigsten Anleger treffen das exakte Tief. Entscheidend ist vielmehr, schrittweise Positionen aufzubauen. Sollte der Kurs weiter sinken, lautet die logische Konsequenz: nachkaufen.
Gerade für Anleger, die den Spotmarkt nutzen, hat sich diese Vorgehensweise historisch bewährt. Kapital wird aufgeteilt, Käufe erfolgen entweder zeitlich gestaffelt oder an klar definierten Preisniveaus. Diese Strategie reduziert das Risiko und erhöht langfristig die Chancen.
Für mich persönlich hat dieser Ansatz bisher jedes Mal funktioniert. Manchmal bin ich schlicht auf Coins sitzen geblieben, weil ich sie über Jahre gehalten habe. In allen Fällen zahlte sich Geduld aus. Ich bin überzeugt, dass auch der aktuelle Bärenmarkt ein Ende finden wird – und dass diejenigen belohnt werden, die jetzt den Mut und die Euros aufbringen, den grünen Knopf zu drücken.

