Interview

Eine Community für Kryptowährungen wird zum Verein – Im Gespräch mit Olivier Aeby vom Crypto Dreieck D-A-CH

Olivier Aeby Interview

Lesedauer für den Artikel: 8 Minuten

In Vaduz wurde aus einer Community ein Verein. Das Crypto Dreieck D-A-CH ist angetreten, um Bitcoin, Kryptowährungen und Blockchain-Technologie zu fördern. Dabei möchte man nicht nur eine Brücke zwischen den verschiedenen Nationen schlagen, sondern auch die Menschen in den Vordergrund rücken und in den unmittelbaren Kontakt mit einem reinen Onlinethema bringen.

Wie gründet man eine solche Bewegung? Was kann man voneinander lernen? Und warum ist der Kontakt zwischen den Menschen das Wichtigste?

Vereinspräsident Olivier Aeby stand uns auf diese und andere Fragen Rede und Antwort.


Jeder hat eine persönliche Geschichte, die ihn mit Bitcoin verbindet. Was hat dich zu Bitcoin geführt? Wie ist dein Weg verlaufen?

Zum ersten Mal bin ich im Jahr 2014 mit Bitcoin in Berührung gekommen. Danach habe ich mich intensiver mit verschiedenen Medien auseinandergesetzt und diverse Kanäle auf YouTube und Telegram verfolgt. Das habe ich dann gut 4 Jahre gemacht und im Januar 2019 den Entschluss gefällt tätig zu werden.

Wie sah das zu Beginn deiner Tätigkeit aus?

Nun, ich habe schlicht eine Liste aller mir bekannten Kanäle gemacht. Dazu habe ich drei Kriterien aufgestellt, um den Sektor kartographieren zu können. Sind die Leute, die hinter diesen Kanälen stehen, authentisch, transparent und ehrlich? Haben sie ein Gesicht und sind damit greifbar? Und schlussendlich die Frage, ob sie auch einen Mehrwert für die Community bieten oder ob sie nur auf ihren Profit schauen.

Am Ende hatte ich ein klares Fazit. Von rund 200 Auserwählten blieb ca. ein Viertel übrig, dass den Kriterien entsprach. Aus diesen Kandidaten habe ich schließlich 8 Leute angeschrieben, um ihnen meine Vision mitzuteilen und anzufragen, ob sie mir helfen wollen das Crypto Dreieck aufzubauen. Von diesen 8 sind heute nur noch 2 übrig, dafür haben wir in Marco, Steve und August auf unserem Weg neue Verstärkung gefunden.

Zu einem großen Teil aller anderen Kandidaten pflegen wir bis heute sehr gute Beziehungen.

Wie sah diese Vision aus?

Ich wollte eine deutschsprachige Plattform aufbauen, die sich nicht auf ein Land beschränkt, sondern Deutschland, Österreich und die Schweiz umfasst. Viele Menschen haben einfach nicht die notwendigen Englischkenntnisse und benötigen eine Plattform in ihrer Muttersprache. Daher bekommt diese Gruppe nicht mit, was eigentlich in der Krypto-Szene passiert.

Außerdem war es mein Plan bereits bekannte Gesichter in unsere Community zu integrieren. Damit wollen wir einen Beitrag leisten, um absoluten Neulingen einen Bewertungsmaßstab an die Hand zu geben, wer einer von den Guten und wer einer von den Schlechten ist.

Dazu pflege ich persönlichen Kontakt mit den entsprechenden Personen, was mir auch sehr viel Spaß macht und mir persönlich sehr wichtig ist. Mit den meisten hat sich aus diesem Kontakt auch eine Freundschaft entwickelt. So schlagen wir eine Brücke zu den verschiedenen Communities und bilden einen zentralen Anlaufpunkt.

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Kann man den Krypto-Space in gut und schlecht bzw. böse unterteilen? Würdest du sagen, dass es Medien oder Influencer gibt, die böse oder bösartig sind?

Böse ist schon ein wenig übertrieben, aber da draußen gibt es sehr viele Scammer und Betrüger. Die schauen ganz stark auf ihren Profit. Neulinge werden durch solche Leute ganz schnell zu Opfern. Unser gesamtes Netzwerk setzt sich aus Leuten zusammen, auf die man zählen kann und bei denen Interessenten sicher sind.

Auf unserer Webseite ist das Netzwerk transparent aufgelistet und das schafft für jeden, der sich davon überzeugen möchte Vertrauen. Das ist uns sehr wichtig.

Die DACH-Region verbindet die gemeinsame Sprache. Wenn man sich anschaut, wie deutsche Medien allgemein über unsere Nachbarn schreiben und umgekehrt einen Blick riskiert, wie die Nachbarn über uns berichten, dann bemerkt man schnell wesentliche Unterschiede.

Du bist Schweizer. Wie siehst Du die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den drei Nationen in Bezug auf Kryptowährungen? Gibt es welche?

In erster Linie bin ich der Meinung, dass man sehr viel voneinander lernen kann. Selber bin ich Schweizer, das ist richtig. Ich war aber auch in diversen Orten in Deutschland und Österreich. Diese Reisen habe ich angetreten, um den persönlichen Kontakt zu unseren Partnern zu pflegen.

Im direkten Vergleich muss man einfach die Österreicher loben. Die sind den Schweizern und den Deutschen eine Nasenlänge voraus, was Kryptowährungen betrifft. Was die Massenadaption anbelangt, kann man das beispielsweise anhand der Bitcoin-Automaten sehr gut festmachen.

Gut, da steht uns Deutschen die Regulierung im Weg. Wie positionierst du dich bei dem Thema? Mehr Regulierung und mehr Staat oder lieber mehr persönliche Freiheit?

Ich tendiere eher in die Richtung, den Menschen mehr Freiheit einzuräumen. Wenn man das konkret auf Bitcoin-Automaten bezieht, dann wünsche ich mir, dass man sie weltweit frei von Barrieren nutzen kann.

Dafür muss man aber auch gemeinsam etwas aufbauen, um solche Visionen zu realisieren, und miteinander arbeiten und an einem Strang ziehen. Das Crypto Dreieck will dafür einen Beitrag leisten.

Du hast schon sehr viel von der Community und eurer Gemeinschaft erzählt. Ihr habt aber auch einen Verein gegründet. Was ist sein Zweck?

Wir haben das Ziel News, Lösungen und Technologien im Bereich Blockchain und Kryptowährungen zu fördern. Mit dieser Förderarbeit ist nicht nur der Austausch gemeint, der online abläuft. Wir möchten in der DACH-Region Checkpoints einrichten.

Dort wollen wir Interessenten praxisbezogen aufklären. Wie funktioniert ein Wallet? Wie richte ich das sicher ein? Wie bediene ich einen Bitcoin-Automat? Viele Menschen brauchen einfach die persönliche Nähe zu der Materie und somit etwas zum Anfassen. Das möchten wir u. a. in der Form von Meetups machen, die nicht Vortragsreihen sind, sondern alle Teilnehmer einladen direkt tätig zu werden.

Checkpoints, das klingt mehr als interessant! Wo werden Interessenten diese Checkpoints finden?

Es sind insgesamt 6 Checkpoints geplant. Aus strategischen Gründen können wir aber noch nicht verraten, wo wir sie stationieren werden. Wir möchten einfach nur die Dinge kommunizieren, die auch wirklich spruchreif sind.

Euer Verein hat seinen Sitz in Vaduz. Warum Liechtenstein?

Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Liechtenstein praktisch die goldene Mitte in der DACH-Region bildet. Deshalb haben wir dort unseren Vereinssitz begründet.

Gemäß eurer Satzung kann prinzipiell jede Person Mitglied im Verein werden, sofern er oder sie die Aufnahmekriterien erfüllt. Du hast auch schon etwas über die Vereinsarbeit verraten. Kann sich jeder einschreiben und loslegen? Wollt ihr als Verein wachsen?

Selbstverständlich möchten wir Mitglieder aufnehmen, die diese Arbeit auch leisten. Momentan stecken wir durch Corona ein wenig mit den Formalitäten fest. Uns sind die notwendigen Reisen nicht möglich. Deshalb haben wir zu diesen Punkten im Augenblick noch keine feste Agenda.

Ihr seid nicht der einzige Verein, der in diesem Bereich tätig ist. Wollt ihr auf Tuchfühlung gehen und mit anderen Vereinen zusammenarbeiten?

Wir wollen schon unser eigenes Ding machen. Das schließt aber den Kontakt zu anderen Vereinen und eine Zusammenarbeit nicht aus. Ich stehe im engen Kontakt mit dem Blockchain Bundesverband e. V. und habe dort auch einen Mitgliedsantrag gestellt.

Wir pflegen auch Kontakt zum Bundesverband Bitcoin e. V., aber dort nimmt man im Augenblick keine Mitglieder auf, was ich auch sehr schade finde.

Wir stehen also im Kontakt zu bestehenden Vereinen und sind durchaus bestrebt Gemeinsamkeiten auszuloten.

Die Deutschen lieben ihre Vereinssitzungen. Vorzugsweise in einem Lokal, wo man einen ordentlichen Grillteller und Bier bestellen kann. Und im Anschluss gibt es einen Besuch der Kegelbahn. Werden solche Veranstaltungen stattfinden? Wie wird das Vereinsleben länderübergreifend aussehen?

Jährliche Vereinsfeste sind auf jeden Fall geplant. Dafür müssen die Mitglieder aber nicht immer nach Vaduz kommen. Wir werden solche Aktivitäten abwechselnd in jedem Land stattfinden lassen, damit wir allen Mitgliedern gerecht werden können.

Das wollen wir aber nicht auf die Mitglieder beschränken, sondern auch unsere Community miteinbeziehen. Und schlussendlich wird es auch immer wieder Gelegenheit geben sich im Netzwerk persönlich zu treffen und auszutauschen.

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Kommen wir zurück zu den Kryptos. Welcher Coin ist dein Favorit?

Das ist ganz klar Bitcoin! In den letzten 12 Monaten habe ich sehr viele Leute getroffen. Zum Beispiel die Tron Europe oder die Dash Embassy D-AC-H. Ich bin da sehr offen und absolut kein Maximalist. Mich interessiert einfach, was diese Menschen aufziehen und sehe auch, dass sie hervorragende Arbeit leisten.

Wie der Schweizer also so ist, ich bleibe in dieser Frage neutral. Das spiegelt sich auch in unserer Community wider. Wir haben eine Ombudsfrau, die Konflikte schlichtet, wenn es Probleme zwischen den Mitgliedern gibt.

Wie kann ich mir das vorstellen? Jemand beleidigt mein Projekt oder meine favorisierte Kryptowährung und dann schreitet sie ein, wenn ich mich beschwere?

Das wäre denkbar. Es ist einfach so, dass sich Maximalisten – egal aus welchem Lager sie auch kommen mögen – durchaus in die Haare kriegen können. Dann erfüllt sie die Funktion als Schiedsrichter und schlichtet zwischen den Streitparteien.

Bisher hatten wir nur zwei Fälle, aber dort hat es auch gutgetan und zu einer guten Lösung für alle Beteiligten geführt. Auch hier betonen wir den menschlichen Aspekt. Hier kommen keine Bots zum Zug, sondern die Menschen klären ihre Probleme in einem fairen Rahmen miteinander.

Das Miteinander ist auch dadurch etwas Besonderes und unsere Community macht allen einfach mehr Spaß.

Abschlussfrage: Wo steht der Bitcoin-Kurs heute in einem Jahr?

Ich bin kein Finanzratgeber oder Consultant. Ich hoffe, dass er in einem Jahr irgendwo zwischen 99.999 oder 111.111 US-Dollar liegt.

Wir bedanken uns herzlich bei Olivier Aeby für das Interview.

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