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Ein Fähnchen im Wind

Weidmann Bitcoin Libra
Bildquelle: Michael Gaida, pixabay.com

Ein Kommentar von Robert Steinadler.

Facebooks Libra hat es also geschafft. Der Stablecoin ist in aller Munde und sogar Spitzenpolitiker aus aller Welt beschäftigen sich mit dem Für und Wider. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten darüber eine Reihe von Tweets absetzt und seine Administration ausrückt, dann muss es wirklich wichtig sein.

Auch wenn von Trump nicht behauptet werden kann, dass er der beliebteste Präsident ist, so ist er zumindest der Präsident, der sich mit Kryptowährungen beschäftigen will. Auch in Deutschland ist man schon eine Weile dabei das Phänomen einzuordnen.

Da es um das liebe Geld geht, steht der Chef der Bundesbank dabei an vorderster Front. Dr. Jens Weidmann äußert sich seit einigen Jahren immer wieder zu Kryptowährungen. Wie der Coinkurier gestern berichtete, auch zu Libra.

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Hü oder Hott?

Libra findet er gut, nicht dass er den Euro dafür abgeschafft sehen will, aber immerhin so gut, dass er die technologische Innovation dahinter lobt. Als ich das las, musste ich lachen, griff zur Tastatur und suchte nach ein paar Artikeln über Herrn Dr. Weidmann.

Die lassen sich auch schnell finden. Der Marktführer der DACH Region hat sie vorrätig und sie sind, nun, nennen wir sie einfach mal „farbenfroh“. Weidmann lobt im Jahr 2017 und 2018 die Blockchain, findet die Innovation gut, aber Bitcoin sei eben kein Geld. Und diese Auffassung behält er auch stringent bei und es lässt sich nicht behaupten, dass er über die Jahre jemals etwas anderes behauptet hätte.

Ja zur Blockchain. Nein zu Bitcoin.

Das ist auch nur konsequent, denn Dr. Weidmann dürfte früh das disruptive Potential von Bitcoin erkannt haben. Warum sollte der Chef der Bundesbank eine Sache gut finden, die sein bzw. das staatliche Monopol bedroht?

Such Lobby. Much Power. WOW!

Das er nun seine Meinung ändert und erkennen lässt, dass er mit Libra einverstanden seien könnte, hat ganz einfache Gründe. Alles was von Facebook kommt, kann kontrolliert und reguliert werden. Alles was von Bitcoin kommt nicht.

Weidmann hat in der Vergangenheit explizit vor den Folgen einer dezentralen Währung gewarnt und nun, da eine zentralisierte Kryptowährung verfügbar ist, kann er das deutlich besser finden. Aber warum eigentlich?

Was erwartet er? Was werden Facebook und die Konzerne, die daran beteiligt sind, in Zukunft daraus machen?

Die Überwachung ist längst total und sie wird immer totalitärer. Im Augenblick scheint das kein Problem zu sein, denn wir haben alle unsere Jobs, tanken unsere Autos voll und wenn das Essen nicht schmeckt, landet es in der Tonne.

Wir müssen als Gesellschaft ein Gut verteidigen, was erst dann wertvoll wird, wenn Eliten nicht mehr wohlwollend sind und genug vom Kuchen übrig lassen. Was ist in 50 oder 100 Jahren? Klar, wir sind dann alle nicht mehr da, aber es liegt durchaus in unserer Verantwortung eine gute Gesellschaft für kommende Generationen zu hinterlassen.

Was treibt Dr. Weidmann dazu einem Unternehmen auch nur ein Stück Kredibilität zu verleihen, welches wiederholt eigene Grundsätze und geltendes Recht gebrochen hat? Was potentiell dazu Beitragen könnte, ein Sargnagel für die Freiheit aller Menschen zu sein.

Ist man in Frankfurt so gut mit dem Facebook Management vernetzt, dass es sich auf Dauer lohnen könnte zu kooperieren? Und wenn ja, in welcher Form?

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Ökosystem in Gefahr

Eine mögliche Konsequenz von Libra, ist die Regulierung des Marktes anhand der Standards, die für Facebooks Kryptowährungen gelten sollen. Dabei wird eine Sache übersehen. Facebook kann relativ schnell sein Produkt anpassen und bestimmte Verfahren einführen, um dem zu genügen.

Bitcoin kann und will das nicht. Damit könnte die Industrie, die sich um Bitcoin gebildet hat aber in Schwierigkeiten geraten. Einige, sehr sichere Anzeichen dafür, sind die Änderungen bei diversen Exchanges.

Die Spekulation auf die Wertentwicklung von Kryptowährungen ist immer noch „Use-Case-No.1“. Daher ist ein Rückblick auf diesen Sektor aufschlussreich. Nahezu alle Exchanges haben damit begonnen US-Kunden zumindest in den AGB auszuschließen. Alle Exchanges, die in den USA oder Europa ansässig sind, haben entweder eine eigene US-Sparte eingeführt oder KYC zur Pflicht gemacht.

Diese Änderungen sind nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte.

Was will man machen?

Abwarten und Tee trinken. Denn es gilt die Formel: 1 Bitcoin = 1 Bitcoin. Wie resistent und überlegen die Mutter aller Kryptowährungen wirklich ist, werden wir wohl dann herausfinden, wenn man sich ans Werk macht, und versucht sie einzudämmen.

Evtl. werden wir auch alle stinkreich, weil plötzlich sämtliche Nocoiner auf den Zug aufspringen und Bitcoin kaufen wollen, wenn Libra kommt.

Ich mache mich jetzt erst mal auf den Weg und teile diesen Artikel auf Facebook, damit ich jemanden erreiche, den das hier interessiert.

Am Ende hat man doch eine eigene Nase, an die man sich fassen kann.

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