Altcoin Porträt: TRON

© TRON Foundation

Das Internet wird immer zentralisierter, denn große Firmen kontrollieren das Angebot an Apps und Inhalten. Sei es dadurch, dass sie darüber entscheiden können, ob eine App es in ihren Store schafft oder indem sie Videos auf ihrer Plattform sperren können. Zusätzlich nehmen die Konzerne Einfluss auf die Politik, wie die jüngste Entwicklung im europäischen Urheberrecht zeigt. Veränderte Rahmenbedingungen durch Gesetze können also immer ein Problem werden, denn man kann den Autoren dieser Inhalte jederzeit den Boden unter den Füßen wegziehen. Viele Menschen sind der Ansicht, dass dies nicht der Sinn und Zweck des Internets ist. In ihren Augen sollte das Internet ein Ort sein, an dem man sich frei äußern kann und eigene Idee verwirklichen, ohne dass andere über die Sichtbarkeit und die Art der Beiträge entscheiden.

Mit dem frommen Wunsch alleine, lässt sich aber nichts verändern, denn die Systeme diverser Großkonzerne belohnen nach ihren eigenen Vorgaben. Dem entsprechend werden neue und bestehende Inhalte von den Machern nach diesen Vorgaben ausgerichtet, was wiederum dazu führt, dass die Entscheidungsgewalt und die Deutungshoheit bei den Konzernen verbleiben. Es entsteht ein Kreislauf, der nicht durchbrochen werden kann, weil es kaum eine Möglichkeit gibt, die Monopolstellung diverser Anbieter auszuhebeln.

Eine Herangehensweise an dieses Problem ist der Versuch die Inhalte mit der Blockchain zu verknüpfen, weil diese einen dezentralen Charakter hat und dadurch eine neue Grundlage für das Internet zu schaffen.

Was ist TRON?

Bei TRON handelt es sich um ein chinesisches Projekt, dass eine eigene Blockchain ins Leben gerufen hat. Ziel ist es, Inhalte über die TRON-Blockchain zu dezentralisieren und ein eigenes Ökosystem für sie zu schaffen. Sie soll die Schöpfer von Inhalten in die Lage versetzen, mehr von ihrem Erfolg zu profitieren, indem sie mit der Kryptowährung TRX belohnt werden. Außerdem wird über die Dezentralisierung von Inhalten verhindert, dass Dritte darüber entscheiden können, ob es zur Veröffentlichung kommt oder nicht. Dazu trägt die dezentrale Speicherung der notwendigen Daten bei, denn wäre sie nur an einem Ort, dann könnte man die Inhalte trotzdem leicht sperren.

Ursprünglich war TRX ein ERC-20 Token auf der Ethereum Blockchain. Mit dem Start der eigenen Blockchain im Jahr 2018 wurde u.a. die Grundlage für den verteilten Speicher geschaffen. Seitdem sind eigene Applikationen auf der TRX Blockchain möglich.

Technologie

Tron setzt nicht auf einen klassischen „Proof of Work“ Konsens, sondern realisiert ein Konzept, was sehr ähnlich zu „Proof of Stake“ ist.

Beim „PoS“ Konsens stecken Miner eine bestimmte Menge Coins in den nächsten Block, damit dieser durch das Netzwerk bestätigt wird. Dazu müssen die Miner die Coins halten und in ihrer Wallet „einschließen“, daher können sie über ihre Einlagen nicht spontan verfügen, wenn sie an „PoS“ teilnehmen möchten. Im Prinzip findet pro Block eine Abstimmung durch die Stakeholder statt, die dann den jeweiligen Block verifizieren. Es kann zwar jeder an „PoS“ teilnehmen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Block durch größere Stakeholder verifiziert wird, ist wesentlich höher. Daher vereinen auch die größten Stakeholder in der Regel den Block Reward zum Großteil auf sich selbst.

Die Vorteile von „PoS“ liegen bei einer höheren Energieeffizienz gegenüber „PoW“ und einer sehr schnellen Verifizierung der Blöcke. Daher haben Kryptowährungen, die diesen Konsens-Mechanismus verwenden, eine schnellere Transaktionsgeschwindigkeit.

TRX hingegen verwendet „Delegated Proof of Stake“, was auch als „DPoS“ abgekürzt wird. Bei diesem Konsens stimmt die Community für sogenannte „Super Representatives“ im Netzwerk. Um stimmberechtigt zu sein, muss ein User TRX halten. Ist ein solcher „SR“ im Netzwerk gewählt und bestätigt worden, kann er Transaktionen validieren und erhält – ähnlich wie bei „PoS“ – einen Mining Reward für diesen Dienst.

Auf diesem Weg erhofft sich TRX den Konsens mehr zu demokratisieren und die Community einzubinden. Aus insgesamt 127 Kandidaten werden 27 „SR“ gewählt. Dieser Vorgang wiederholt sich alle 6 Stunden, so dass relativ zügig reagiert werden kann, sollte die Community einem „SR“ nicht mehr vertrauen.

DApps

Die dezentralisierten Apps stellen eine der größten Stärken von TRON dar. Bei solchen Apps handelt es sich zu einem Großteil um Games und Glücksspiele. Letztere sind sehr erfolgreich, denn laut einem Bericht von CoinDesk verzeichnete TRON alleine im ersten Quartal 1,6 Milliarden US-Dollar Volumen mit seinen DApps. Und bei rund 65% aller Applikationen handelt es sich um Online Glücksspiel. Grundsätzlich sind aber auch viele andere Nutzungsmöglichkeiten denkbar und auch vertreten, auch wenn es sich dabei nicht um den Großteil der Apps handelt.

Sun Network

Im April 2019 wurde das Sun Network angekündigt. Es soll sich dabei um eine Second-Layer Technologie für die TRON Blockchain handeln. Die genauen Spezifikationen sind noch unbekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass TRX durch seine wachsende Menge an DApps auf Dauer darauf angewiesen seien wird, um die Transaktionen und die Datenmenge zu bewältigen.

Wallets

Die Bandbreite an verschiedenen Wallets ist für TRON sehr hoch. Es stehen insgesamt 36 Wallets zur Verfügung, die auf unterschiedliche Nutzergruppen zugeschnitten sind. Auch der Hintergrund auf dem die Software geschrieben wurde ist vielfältig, so sind beispielsweise 8 Projekte von eigenen Communitys entworfen worden.

Neben der hohen Anzahl an Software Wallets für den Desktop und für Android sowie iOS Smartphones, lässt sich TRX aber auch auf den Hardware Wallets von Ledger verwahren.

Kooperationen

Da TRX im Prinzip eine Plattform für Inhalte aller Art seien will, ist sie bedingt darauf angewiesen auch als solche wahrgenommen und genutzt zu werden. Zu diesem Zweck sucht TRON immer wieder aktiv nach Möglichkeiten mit anderen Unternehmen oder Projekten eine Kooperation einzugehen. Dazu gehört auch die Akquise anderer Unternehmen, um die eigene Reichweite zu erhöhen und neue Projekte zu realisieren.

BitTorrent und BitTorrent Token

Durch den Kauf von BitTorrent und die sich daran anschließende ICO, gelang TRON ein strategischer Schritt, der sehr viel Aufsehen erregte. Zielsetzung ist es, dass BitTorrent Netzwerk zu tokenisieren und mit dem BitTorrent Token (BTT) neue Anreize zu schaffen. Nutzer, die im Torrent Netzwerk etwa Bandbreite zur Verfügung stellen, können auf diesem Weg mit BTT entlohnt werden. Der BitTorrent Token, ist ein Token auf der TRX Blockchain und somit Teil eines Smart Contracts. Das Ausmaß der angekündigten Funktionalität ist sehr massiv, denn es handelt sich um insgesamt 170 Millionen Nutzer die man erreichen will. In diesem Zusammenhang gewinnt auch das angekündigte Sun Network eine besondere Bedeutung, weil ohne eine Second-Layer-Lösung die Skalierbarkeit der TRX Blockchain leicht an ihre Grenzen geraten könnte.

Community

Die TRX Community ist international breit aufgestellt. Es existieren sehr viele inoffizielle Kanäle auf diversen Social-Media-Plattformen und darüber hinaus auch die offiziellen Channel, die sich an ein englischsprachiges Publikum richten. Die Entwicklung des Codes und der Blockchain wird überwiegend von 40 Core Developern vorangetrieben. Wobei das Projekt jedoch als Open-Source angelegt ist.

Justin Sun

Sun hat zweifelsohne eine steile Karriere hinter sich, obwohl er für einen Top-Manager vergleichsweise jung ist. So gründete er den Dienst Peiwo, der ein sehr ähnliches Angebot und Funktionsumfang hat, wie Snapchat und auf dem chinesischen Markt sehr beliebt ist. Außerdem war er Repräsentant für Ripple in China. Das Forbes Magazin zählte ihn zu den „30 under 30“.

Er ist nicht nur Chef der TRON Foundation und Gründer von TRON, sondern gilt auch als das Gesicht des ganzen Projektes. Sun ist ein äußerst geschickter Marketer und erregt immer wieder durch neue Meldungen sehr viel Aufmerksamkeit für TRX. Dabei geriet er durchaus auch in Kritik, weil einige seiner Meldungen über Social-Media, die zugrunde liegenden Sachverhalte überdramatisierten.

So stellte sich beispielsweise bei einer Meldung über eine Partnerschaft mit Baidu heraus, dass TRON lediglich deren Cloud-Netzwerk nutzen wird. Die Meldung selbst weckte aber anscheinend bei vielen Usern den Eindruck, dass hier eine tiefergreifende Zusammenarbeit vorliegen müsse, anstatt nur die Nutzung eines Service. Allerdings ist er mit diesem Vorgehen nicht alleine. Denn im Bereich der Kryptowährungen geschieht es nicht selten, dass Ankündigungen zuerst sehr viel versprechend sind und etwas später – nach geklärter Sachlage – nicht mehr einen ganz so spektakulären Charakter aufweisen.  

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